Technische Weichenstellung bei Citizen Science

07. November 2017 von Eva Hochreuther

Online-Plattformen und Mobile-Apps ermöglichen Bürgerforschern und Wissenschaftlern in vielen CitizenScience-Projekten unmittelbar miteinander in Kontakt zu kommen, Daten einzutragen, zu speichern und auszutauschen. In den letzten Jahren wurden die digitalen Techniken ständig weiterentwickelt und ausgebaut, so dass viele technische Entwicklungen auch parallel stattfanden. Daher befinden Ulrike Sturm und Soledad Luna in ihrem Paper „Defining principles for mobile apps and platforms development in citizen science“, dass es der Citizen-Science-Community an einer Strategie für einen Umgang mit Apps und Plattformen  mangelt.

Daher organisierten sie, unterstützt vom Projekt „Stadtnatur entdecken“, dem Museum für Naturkunde Berlin und der European Citizen Science Assosciation (ESCA) zwei Workshops mit Bürgerforschern, Wissenschaftlern und Citizen-Science-Forschenden aus ganz Europa, um gemeinsam Leitlinien zur Entwicklung und Anwendung von Handy Applikationen und Online-Plattformen im Bereich Citizen Science zu erarbeiten.

Die Teilnehmenden kamen für die beiden Workshops in Berlin und Göteborg zusammen, wo sie neue Konzepten überlegten für eine offene Nutzung von Daten, dem Gestalten einer benutzerfreundlichen Bedienung, Anwerben neuer Projektteilnehmender und einen standardisierten Entwicklungsprozess für Online Plattformen und Handy Applikationen, sowie ethische Fragen bei Projektplanung und -umsetzung diskutierten.

Aus den Ergebnissen der Diskussionen zogen Ulrike Sturm und Soledad Luna, das Fazit, dass vor allem Co-Design und Co-Creation bei der Entwicklung von Mobilen-Apps und Online Plattformen miteinbezogen werden sollten, um die Bürgerforscher stärker zu involvieren, ihren Lernprozess zu unterstützen und so auch das Teilen von Daten zu erleichtern. Jedoch sahen die beiden Forscherinnen keine Notwendigkeit für eine explizite Ausarbeitung von Grundpfeilern für die Entwicklung und Anwendung von Online Plattformen und Handy Applikationen. Anstelle dessen schlugen sie vor, die zehn Prinzipien der ECSA mit den Ergebnissen aus den Workshops zu verknüpfen und daraus einen eigenen Leitfaden für die beiden Medien zu entwickeln. Hinsichtlich ethischer und juristischer Fragen weise das Dokument der ESCA Prinzipien nämlich noch Ausbaufähigkeit auf, so die Meinung der beiden Forscherinnen. Als einen konkreten Vorschlag zur Umsetzung uneingeschränkter Mitbenutzung von Informationen, schlugen sie daher einen Index vor, der alle Handy Applikationen und Online Plattformen aufführt und so jeder und jedem den Zugriff auf das Know How zur Entwicklung einer Applikation oder Plattform gewährt.

 

Eva Hochreuther

Masterstudium in International Migration and Ethnic Relations an der Malmö Högskola in Schweden. Bei Wissenschaft im Dialog unterstützt sie Bürger schaffen Wissen.

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