Babylonisches Sprachenwirrwarr beim Begriff Citizen Science

Katrin Vohland

Ein internationales Autorenteam hat versucht, etwas Ordnung in die unterschiedlichen Ausdrücke zu bringen, mit denen Citizen Science beschrieben wird. Dabei haben sie sich vor allem mit den verschiedenen Ausdrücken für die beteiligten Bürgerinnen und Bürger befasst: Schon „Bürger“ sei problematisch und kann manchmal eine Staatsangehörigkeit voraussetzen. Amateur wird trotz des Wortstamms „amare – lieben“ teilweise als abwertend empfunden. Ebenso die menschlichen Sensoren, wo vielleicht sogar Daten ohne Wissen abgegriffen werden. Die „Freiwilligen“ würden v.a. nicht bezahlt – nicht für ihre Forschung oder auch nicht für andere Beiträge. Und dann wird das Konzept Citizen Science auch in den unterschiedlichen Ländern sehr unterschiedlich empfunden. In Brasilien und Zimbabwe ist es beispielsweise stärker mit Ideen zur Demokratisierung und Graswurzelbewegungen verbunden als in Europa. Die Sprache spielt also auch eine Rolle, der Begriff wird verschieden konnotiert. Die Autoren werfen auch noch weitere Fragen auf, sie diskutieren, ob Citizen Science eher als ein Instrument der Forschung zu betrachten ist, oder doch eine globale Bewegung – wie sie sich ja auch in der Gründung der verschiedenen Netzwerkorganisationen ausdrückt

Einen Überblick über die Begriffe findet sich auch im Glossar der Broschüre „Citizen Science für alle“, wo verwandte Begriffe wie Do-It-Yourself-Science, Reallabore oder partizipative Sozialforschung erklärt werden.

Eine internationale Initiative, sich des Problems der Benennung von Citizen Science Aktivitäten anzunehmen, wird im Rahmen von ECSA und der Citizen Science COST Action erarbeitet: Eine Ontologie für Citizen Science. Aber solange man kein komplett abgestimmtes internationales Vokabular hat, ist es vor allem wichtig, wertschätzend und präzise die Rollen der verschiedenen Beteiligen zu beschreiben.