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Buerger schaffen Wissen

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AG Citizen Science & Recht: Im Gespräch mit Friederike Klan und Linda Freyberg

10. Juni 2020 von Florence Mühlenbein

Was muss man bei der Datenaufnahme beachten? Wem gehören die Daten? Und wie sind die Bürgerforschenden bei der Teilnahme an einem Citizen-Science-Projekt versichert? Bei der Planung und Durchführung von Citizen-Science-Projekten sind viele rechtliche Fragen zu klären. Wir haben mit den Initiatorinnen Friederike Klan (DLR) und Linda Freyberg (MfN) über die Mission und Ziele der neuen Arbeitsgruppe “Citizen Science & Recht” gesprochen. In diesem Kontext entsteht derzeit am Museum für Naturkunde auch ein Leitfaden für rechtliche Fragestellungen, der Projektinitiator*innen eine Orientierung geben soll. Dieser soll gemeinsam mit der Community im Rahmen der Arbeitsgruppe diskutiert und innerhalb eines BMBF-geförderten Projektes am Museum für Naturkunde auf Basis rechtlicher Gutachten entwickelt werden.

Im Rahmen des Citizen-Science-Netzwerks bestehen bei Bürger schaffen Wissen lokale sowie themenspezifische Arbeitsgruppen. Kürzlich habt ihr die Arbeitsgruppe “Citizen Science & Recht” ins Leben gerufen. Könnt ihr euch vorstellen und verraten, was euch mit dem Thema verbindet? 

Friederike: Mein Name ist Friederike Klan. Ich leite die Abteilung Bürgerwissenschaften am DLR-Institut für Datenwissenschaften in Jena. Wie der Institutsname schon verrät, beschäftigen wir uns vor allem mit datenwissenschaftlichen Themen im Kontext von Citizen Science und da sind uns bei unseren Citizen-Science-Projekten schon einige rechtliche Fragen über den Weg gelaufen. Auch auf Tagungen oder Workshops ist uns aufgefallen, dass da sehr viele Fragezeichen in den Köpfen sind, wenn es um rechtliche Fragestellungen geht. Von daher bin ich der Meinung, dass das Thema Recht ein wichtiges Thema ist, dem wir uns widmen sollten vor allem wenn wir da an die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen denken, bei der gegenseitiges Vertrauen eine wichtige Basis ist.

Linda: Ich bin Linda Freyberg und von Hause aus Kunsthistorikerin und Informationswissenschaftlerin. Ich habe mich bisher vor allem im Kontext der Informationswissenschaft mit Open Science beschäftigt und habe zuletzt die Open-Access-Strategie des Landes Brandenburg mitgestaltet. Es gab schon einige Berührungspunkte mit Citizen Science und ich war unter anderem an zwei Projekten aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich selbst beteiligt. Und so kam bei mir das erste Interesse für Citizen Science auf und da lag die Verbindung zu rechtlichen Fragestellungen nah, da auch im Bereich Open Access bzw. Open Science die Idee ist, durch Partizipation bzw. Bottom-Up-Prozesse Strukturen zu erneuern. Dieses Jahr arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum für Naturkunde Berlin genau an diesem Themen.  

Könnt ihr erläutern, wie ist es zu der AG-Gründung gekommen ist?

Friederike: Es gab bereits im Mai 2019 ein Fachgespräch am Museum für Naturkunde Berlin zu rechtliche Rahmenbedingungen von Bürgerforschung. Dort wurde ich gebeten, einen Vortrag zu halten, bei dem ich skizziert habe, was uns in unseren Projekten an rechtlichen Fragestellungen bereits begegnet ist. Aus diesem Fachgespräch ist dann ein Bericht entstanden und dieser hat so ein bisschen den Anstoß für die Gründung der Arbeitsgruppe gegeben. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man sich zu diesen Themen austauschen kann und so können wir auch erst einmal erfassen: Welche Fragen treten bei den Projektinitiator*innen auf? Was beschäftigt sie? Das ist momentan noch nicht so klar und die AG soll einen Kommunikationskanal für den Austausch schaffen, der bisher fehlte. 
Außerdem ermöglicht uns der Austausch auch einen Überblick über die Themen, die die Leute beschäftigen und die wir dann natürlich auch konkreter bearbeiten möchten. 

Linda: Genau, bei dem genannten Fachgespräch letztes Jahr wurde bereits viel angesprochen und dort wurden bereits drei großen Themenfelder definiert: Erstens Datenschutz und Persönlichkeitsrecht; zweitens Urheberrecht und geistiges Eigentum und dann als Drittes Versicherungsfragen. Das war der Ausgangspunkt für die Idee eines rechtlichen Leitfadens, den ich dieses Jahr am Museum für Naturkunde verantworte und dessen Umsetzung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Und da der Leitfaden maßgeblich von rechtlichen Gutachten geprägt ist und in diesem Jahr auch fertiggestellt werden soll, sehe ich eine parallel laufende Arbeitsgruppe als sehr wichtig an, da sie unabhängig ein Forum des konstanten Austauschs bietet. Gerade weil rechtliche Fragestellungen auch immer sehr einzelfallbezogen sind und es immer mehr neue Anwendungsgebiete innerhalb Citizen Science gibt.

An wen richtet sich denn der Leitfaden? 

Linda: Beim Leitfaden ist klar definiert, dass er sich an Projektinitiator*innen richten wird und dass so die Initiator*innen vor Projektbeginn über verschiedene Aspekte informiert werden sollen. Ziel ist es, Stolpersteine, die sonst vielleicht erst im Projektverlauf entstanden wären, schon vorher aus dem Weg zu räumen. Also zum Beispiel: Was muss ich bei der Erhebung und Speicherung von Daten beachten?  Muss ich diese dann ggf. anonymisieren? Welche Rechte gelten für den Ersteller einer Datenbank? Unter welchen Umständen darf ich Daten weitergeben? Am Ende eines Projektes dann auch: Wie kann ich publizieren? und natürlich der große und wichtige Bereich: Wie schütze ich die Bürgerforschenden versicherungstechnisch, also sind sie beispielsweise über eine Institution eingebunden, über Ehrenamtsverträge oder über die Kooperation mit einem Verein abgesichert?

Wenn wir nochmal einen Blick auf die AG werfen: Wer kann sich denn an der AG beteiligen und was muss man dafür mitbringen? 

Friederike: Hier kann sich jede*r beteiligen, der*die bereits ein Citizen-Science-Projekt initiiert hat oder plant. Aber auch Bürger*innen, die sich bereits an Projekten beteiligt haben und dort auf rechtliche Fragestellungen gestoßen ist, sind herzlich eingeladen. 

Linda: Dafür braucht es auch keine rechtlichen Vorkenntnisse, sondern da ist das Interesse an der Thematik und am Austausch wichtig.

Friederike: Das Ziel ist es dann gemeinsam, die wahrscheinlich sehr vielen Fragen in eine gute Struktur zu bringen, damit diese von den Jurist*innen, die die Rechtsgutachten für den Leitfaden ausarbeiten werden werden, auch beantwortet werden können. 

Was sind die nächsten Schritte - sowohl für die AG als auch für den Leitfaden? 

Friederike: Es besteht derzeit schon eine Mailingliste, für die sich alle Interessierten eintragen können und so von uns über die nächsten Schritte informiert werden.

Linda: Und der nächste große Schritt ist dann unser Online-Workshop, der am 23. Juni von 13-16 Uhr stattfindet, und zu dem wir alle herzlich einladen. Dort wollen wir uns über die 3 großen genannten Themenfelder austauschen und auch kreativ werden: Wie passen welche Fragestellungen zusammen? Wie können wir das sinnvoll clustern? Welche rechtlichen Fragestellungen treten im Projektverlauf aus? Und dann erhoffen wir uns natürlich auch zu sehen, wo die Schwerpunkte der Community liegen. 

Friederike: Im Idealfall sehen wir dann eine Art Entscheidungsbaum als Format für den Leitfaden: Wie werden die Bürger*innen eingebunden? Welche Daten erhebe ich? Und dann kann man sich zukünftig hoffentlich an so einem Entscheidungsbaum entlanghangeln und hat damit eine gute Grundlage, um zu wissen: Wie kann ich bei dem Projekt rechtssicher vorgehen?

Linda: Zudem ist gerade eine Online-Umfrage zum Thema Citizen Science und Recht gestartet. Die Teilnahme ist noch bis zum 21.06.2020 unter diesem Link möglich. Und diese soll dann zusammen mit den Erkenntnissen des Online-Workshops die inhaltliche Grundlage für die Rechtsgutachten bilden, welche wiederum den Rahmen des Leitfadens ausmachen sollen. Wichtig ist uns dann vor allem auch die klare Verständlichkeit der Gutachten, die wir durch grafische Elemente wie die genannten Entscheidungsbäume oder Flussdiagramme sicherstellen wollen. 

Wer sich engagieren und am Online-Workshop teilnehmen möchte, schreibt bitte eine Mail an linda.freyberg@mfn.berlin.

Weitere Informationen finden sich auf der AG-Seite "Citizen Science & Recht".

Hier geht es zum Bericht des Fachgesprächs vom 21. Mai 2019, das am Museum für Naturkunde Berlin stattfand. [PDF-Download].
 

Florence Mühlenbein

Projektmanagerin und Online-Redakteurin. Florence betreut die Plattform, kümmert sich um die Social-Media-Kanäle und berät Projekte im Bereich Wissenschaftskommunikation.

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