Direkt zum Inhalt
Buerger schaffen Wissen

Die Plattform für Citizen-Science-Projekte aus Deutschland: Mitforschen, präsentieren, informieren!

Buchveröffentlichung: The Science of Citizen Science

24. Februar 2021 von Katrin Vohland
Grafik: SPOTTERON Citizen Science | www.spotteron.net
Grafik: SPOTTERON Citizen Science | www.spotteron.net

Aus verschiedenen Arbeitsgruppen des Europäischen Vereins der Bürgerwissenschaften (ECSA – European Citizen Science Association) entstand die Idee, die Begleitforschung für die bessere theoretische Fundierung von Citizen Science auszubauen. Sehr deutlich wurden die Ansätze auch in einem pan-europäischen Assessment zu Citizen Science Strategien. Es wurde uns klar, dass es große Unterschiede gibt zwischen Ländern wie Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz, wo Citizen Science über öffentliche Mittel gefördert wird, und Ländern wie Ungarn, der Slowakei oder Polen, wo die Projekte eher aus zivilgesellschaftlichem Engagement heraus entstehen. Diese Unterschiede in der Definition und Perzeption von Citizen Science haben wir in den einleitenden Kapiteln des Buches „The Science of Citizen Science" aufgegriffen. Speziell Fördernde waren an einer klaren Definition interessiert, wohingegen sich in der Praxis zeigt, dass Citizen Science ein sehr diverses Feld ist. Mal stehen wissenschaftliche Fragen im Vordergrund, mal bildungsbezogene, mal politische. In vielen Projekten beteiligen sich Menschen mit Beobachtungen über Apps, manchmal sind sie die ersten Expert*innen auf ihrem Feld. Manchmal machen sie kurzfristig bei einem Projekt mit, manchmal haben sie ihr Lebensthema gefunden. Grundkonsens aller Projekte ist, dass wissenschaftliches Wissen vermehrt wird, also Wissen, welches mit nachvollziehbaren Methoden erlangt wurde.

Im ersten Teil des Buches diskutieren wir, welchen Beitrag Citizen Science in den Natur-, Kultur- und Sozialwissenschaften leisten kann und wie die Rahmenbedingungen dafür aussehen. Dazu gehören beispielsweise auch ethische Aspekte, die den Umgang mit Daten und Persönlichkeitsrechten umfassen. Auch ein Blick in die Zukunft wird gewagt: Die zunehmende Nutzung von Algorithmen zur Mustererkennung verändert auch die Aufgaben der Citizen Scientists.

Im zweiten Teil befassen wir uns mit den gesellschaftlichen Implikationen und der Gestaltung der Zusammenarbeit von professionellen – bezahlten – Forscher*innen mit den Ehrenamtlichen. Dabei wird zum einen ein Augenmerk auf die Zusammensetzung der Citizen Scientists geworfen, die häufig einen Bias hin zu Akademiker*innen aufweist, und Vorschläge gemacht, wie Inklusion und Diversität erhöht werden können. Eine nicht unwesentliche Rolle spielen zivilgesellschaftliche Organisationen. Im Hinblick auf die Schnittstelle zur Politik wird zwischen policies – also inhaltlichen wissenschaftlichen Beiträgen von Citizen Science, politics als Veränderung von Prozessen wie beispielsweise Stakeholder-Einbindung und polity als institutionelle Wechselwirkungen wie beispielsweise die Umsetzung von Prinzipien verantwortungsbewusster Forschung und Innovation (Responsible Research and Innovation; RRI) unterschieden.

Im dritten Teil stellen wir praktische Instrumente vor und diskutieren sie. Dazu gehört ein Überblick über die verschiedenen Citizen-Science-Plattformen in Europa, darunter auch die Vorreiter aus Österreich und Deutschland, www.citizen-science.at und www.buergerschaffenwissen.de. Last not least wird die Frage angegangen, wie Citizen Science evaluiert werden kann – für die Beteiligten, für die Wissenschaft und die Gesellschaft als Ganzes.

Die Zielgruppen des Buches sind die internationale Citizen Science Community, die Praktiker*innen und insbesondere die Forschungseinrichtungen und Universitäten. Es soll ihnen erleichtern, einzelne Teile in ihr Curriculum zu übernehmen oder vielleicht sogar Professuren für Citizen Science einzurichten.

Vom ersten Treffen der Herausgeber*innen, bei dem die grobe Struktur des Buches erarbeitet wurde, bis zur Veröffentlichung ist ein gutes Jahr vergangen. Über 100 Autor*innen beteiligten sich an Qualitätssicherung und Schreiben. Das Feld der Forschung über Citizen Science ist neu und am Wachsen, so dass in den nächsten Jahren mit einigen neuen Kapiteln zu rechnen ist.

"The Science of Citizen Science" ist als Open Access-Version im Springer Verlag frei erhältlich.

Das Buch wurde im Rahmen einer COST Action erarbeitet (Cooperation in Science and Technology; Projekt: Citizen Science to promote creativity, scientific literacy, and innovation throughout Europe).

Katrin Vohland

Katrin Vohland ist wissenschaftliche Geschäftsführerin und Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien. Zuvor war sie Leiterin des Forschungsbereichs Museum und Gesellschaft des Museums für Naturkunde Berlin.

Schreiben Sie uns einen Kommentar

Ich bin damit einverstanden, dass mein Nutzername (ein Pseudonym ist möglich) und meine Email-Adresse gespeichert werden. Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.