Ein Besuch bei der Ideenwerkstatt vom Projekt Forschungsfall Nachtigall

05. November 2018 von Susann Rüß

Faszination Ornithologie – die sieht man nicht nur Projektleiterin Silke Voigt-Heucke und ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Kim Mortega an. Eine gemischte Gruppe aus acht Berliner*innen fand sich an Mittwochabend, dem 10. Oktober, im Museum für Naturkunde Berlin zusammen, um bei der Ideenwerkstatt zur bioakustischen Analyse der Nachtigall-Gesänge aus der Saison 2018 ihr Interesse an dem Singvogel Luscinia megarhynchos zu bekunden: die Nachtigall.

©Daniela Friebel©Daniela Friebel

Der beeindruckende Gesang der Männchen lässt unsere Hauptstadt jedes Frühjahr ganz besonders ertönen. Wie besonders, das möchte das Citizen-Science-Projekt Forschungsfall Nachtigall nun mithilfe der Bioakustik, also der Tierstimmenforschung, herausfinden: Gibt es wirklich berlinerische Dialekte? Worin unterscheiden sich die Strophentypen der Nachtigallen? Und wie viele Aufnahmen braucht es eigentlich, um eine angemessene Typisierung aufstellen zu können?

Bei der Ideenwerkstatt sollte damit die Grundlage für den kommenden Workshop am 7. November in Berlin geschafft werden. An diesem Abend gab es nicht nur einen spannenden Vortrag zur Nachtigall und ihrem Gesang. Die Bürger*innen erarbeiteten gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen, nach welchen Kriterien sie den Vogelgesang innerhalb Berlins am besten kategorisieren und analysieren könnten. Allein in diesem Jahr haben Bürgerforschende mit der App Naturblick knapp 2500 georeferenzierte Lautaufnahmen mit davon etwa 1800 Nachtigall-Gesängen mit dem Projekt geteilt. Mithilfe einer professionellen Software soll im kommenden Workshop nun erstmals ein Strophenkatalog bearbeitet werden – u.a. mit dem Ziel, ganz Deutschland „zu vernachtigallen“. Das Besondere am Gesang der Nachtigall dabei ist allerdings, dass ihr Strophenrepertoire unglaublich komplex ist. Der Workshop mit Vogel-Experten und -Interessierten wird hoffentlich mehr Aufschluss geben.

„Was nützt es der Nachtigall selbst?“

Seit den 1970ern untersuchen Ornithologen den Nachtigallengesang Berlins. Mit dem Projekt Forschungsfall Nachtigall sind alle Interessierten eingeladen, als potentiell Mitforschende die jetzige Forschungsrichtung vorzugeben. Doch Bürgerwissenschaft hin oder her, den Laien geht es letztendlich auch um das lebende Objekt der Forschung an sich. Und das ist nicht nur das Faszinierende an der Ornithologie. Citizen Science schafft nicht nur Wissen durch Bürger, sondern bringt Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammen.

Ihr möchtet bei dem Workshop am 7.November dabei sein? 

Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung unter nachtigall[at]mfn.berlin wird gebeten.

 

Susann Rüß

Die Studentin unterstützt das Team um den Webvideo-Wettbewerb Fast Forward Science sowie die Online-Redaktion und wirft dabei auch Blicke in andere Projekte von Wissenschaft im Dialog.

Schreiben Sie uns einen Kommentar