Nachgeforscht bei Daniel Fähle von Landauf. Landapp – Entdecke Dein BaWü!

17. Oktober 2019 von Florence Mühlenbein
Copyright: Landesarchiv BW
Copyright: Landesarchiv BW

In Ihrem Projekt „Landauf. Landapp – Entdecke Dein BaWü!“ möchten Sie mithilfe von Citizen Scientists die Bau-, Kultur- und Naturdenkmäler im ganzen Bundesland kartieren. Wie sind Sie auf die Projektidee gekommen? Und gab es bereits Meldungen von Denkmälern oder Orten, mit denen Sie nicht gerechnet hätten oder die Sie überrascht haben? 

Hier kamen zwei Dinge zusammen: Zum einen hatten wir im Zuge der Weiterentwicklung unseres Landeskundeportals LEO-BW schon länger überlegt, ein Mitmachangebot ins Leben zu rufen. Denn bislang fanden sich dort nur die Inhalte von Kultur- und Landeseinrichtungen. Zum anderen wurden uns in der Vergangenheit immer mal wieder sporadisch Fotos oder manchmal auch einfach Hinweise auf interessante Orte und Plätze mit landesgeschichtlicher Relevanz von Bürger*innen zugeschickt. Die Absender, das war uns schnell klar, verfügten uns gegenüber häufig über eine sehr viel detailliertere Kenntnis der Besonderheiten vor Ort. Wir wollten für diese Form des Inputs bzw. der Partizipation einen geeigneten Weg, sozusagen einen passenden „Workflow“ finden. Dieser sollte zweckmäßig und zeitgemäß sein, zugleich aber auch Spaß beim Mitmachen bieten. Daraus resultierte die Idee, das Angebot als App auf die Smartphones der Leute im Ländle zu bringen. 
Wenn man sich die bislang in der App fast 1.500 hochgeladenen Fotomotive samt der zugehörigen Beschreibungen anschaut, sind doch schon überraschende Beiträge dabei. Klar war von Beginn an, dass wir vor allem viele Burgen, Kirchen und Stadtansichten erhalten würden. Doch war unser Anliegen mit der App eben gerade auch, die weniger bekannten Plätze und kleinen Highlights auf lokaler Ebene eingefangen zu bekommen. Darum freut uns auch besonders, wenn alte Wegkreuze, Grenzsteine oder z.B. die sogenannten Nasenschilder fotografiert und hochgeladen werden. Bei Letzteren findet sich inzwischen sogar eine ansehnliche Anzahl in der LandApp, die diese teils sehr aufwändig gestalteten Gasthaus- oder Handwerksschilder in ihrer Vielfalt wiedergibt.

Mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Was ist Ihr Lieblingsdenkmal in Baden-Württemberg? 

Oh, das ist schwer, sich festzulegen. Eine sehr persönliche Beziehung habe ich zu dem (Schloss-)Garten in Schwetzingen, der sich unweit meines Wohnorts Mannheim befindet. Dieser wurde im 18. Jahrhundert nach allen Regeln der damaligen Kunst angelegt und als Sommerresidenz der pfälzischen Kurfürsten genutzt. Spannend dabei ist: Die Parkanlage war bereits damals öffentlich zugänglich. Ansonsten gestehe ich, dass mich aber die unerwarteten Entdeckungen meist mehr als die großen Sehenswürdigkeiten faszinieren.

Ihr Projekt ist bereits das zweite Citizen-Science-Projekt des Landesarchives Baden-Württemberg und als Behörde eher noch die Ausnahme auf unserer Plattform unter den initiierenden Institutionen. Wie schwer oder wie leicht war das Anstoßen des Projektes innerhalb Ihrer Institution? 

Wir können derartige Projekte durchführen, da unsere Hausleitung dies dezidiert unterstützt. Offenheit, Transparenz und Partizipation sind erklärte Ziele des Landesarchivs und zunehmend ja auch die Leitgedanken vieler anderer Kultureinrichtungen. Tatsächlich sammeln wir bereits seit einigen Jahren Erfahrungen in Vorhaben, an denen Bürger*innen mitwirken. „Landauf. LandApp“ ist unser zweites Projekt, das sich an ein breiteres Publikum wendet. Insofern war es überhaupt nicht schwer, intern Unterstützung zu erhalten. Natürlich gibt es hier und da noch Skepsis, die sich vor allem auf die Qualitätssicherung bezieht. Letztendlich überwiegt aber die Einschätzung, dass Citizen Science nicht nur sinnvoll ist, sondern auch notwendig. Denn angesichts ständig steigender Anforderungen an institutionelle Angebote und an deren Attraktivität kann dies oftmals nur durch die Einbeziehung weiterer Personengruppen und Ihres jeweiligen Fachwissens realisiert werden.  

Stichwort Herausforderung: Womit ringen Sie in Ihrem Projektalltag am meisten? Und gibt es etwas, was Sie beim nächsten Mal anders machen würden?

Leider ist meine Antwort nicht sehr kreativ: Es sind letztlich wieder die begrenzten personellen und zeitlichen Ressourcen. Es reicht ja nicht, einfach nur eine App zu entwickeln und dann freizuschalten. Zwar haben wir (bislang) keine Probleme mit Vandalismus oder Trollen, aber die eingestellten Inhalte müssen doch zumindest gesichtet werden. Und natürlich möchte man so ein Angebot auch der breiten Öffentlichkeit bekannt machen. Vor allem aber wollen wir mit den Beiträger*innen in Kontakt und Austausch treten und eine kleine Community aufbauen. Das alles ist sehr zeitintensiv und kann häufig ehrlich gesagt nur gelingen, wenn man auch bereit ist, Freizeit zu investieren. 
Da unser Projekt noch recht jung ist, kann ich aktuell noch nicht sagen, was verbesserungsbedürftig ist. Wir haben über andere Mitmachprojekte schon ein wenig dazugelernt und sind bislang eigentlich ganz zufrieden.  

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will“, weiß Galileo Galilei. Und darüber hinaus? – Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, um bei dem Projekt mitzumachen?

  • Neugier und Interesse daran, seine Umgebung zu entdecken und diese Entdeckungen mit anderen zu teilen
  • eine gewisse Aufgeschlossenheit für die Technologie (App-Einsatz)
  • nicht zwingend, aber nützlich: etwas Gespür für gute Motive und eine ruhige Hand beim Fotografieren  

Der Projektname „Landauf. Landapp“ verrät es schon ein bisschen: Ihr Projekt setzt auf eine eigene App fürs Smartphone. Warum haben Sie sich im Projekt für diesen Weg entschieden? Und was bietet die App den Mitforschenden? 

Für unser Thema war der Einsatz einer App naheliegend, da das Angebot eine mobile Technologie und eine vorhandene Fotomöglichkeit voraussetzte. Wichtig war zudem, die Denkmäler auf einer Karte verorten zu können. Hier bot sich mit der Lokalisierungsfunktion von Smartphones die geeignete Unterstützung. Dann kommt immer die Frage, neu entwickeln oder eine vorhandene Lösung nachnutzen. Wir haben uns für eine bereits im Kontext von Citizen Science etablierte Plattform entschieden, die viele unserer Anforderungen erfüllte und relativ schnell einsatzbereit war. Für unsere Zwecke musste natürlich noch Einiges angepasst werden, da sich unser Projekt schon von dem der bisherigen auf der Plattform umgesetzten unterschied. 

Die LandApp bietet neben den erwähnten Möglichkeiten, Fotos hochzuladen, zu verorten, zu kategorisieren und zu beschreiben diverse soziale Komponenten. Die Beiträge können gelikt, kommentiert und statistisch aufbereitet werden. Wichtig war uns, dass die Oberfläche möglichst intuitiv zu nutzen ist.

Was kann man in Ihrem Projekt dazulernen? 

Ich meine, dass unser Angebot dazu beiträgt, sich intensiver mit Kultur und Geschichte seiner Umgebung auseinanderzusetzen -  ob im Heimatort oder bei Ausflügen. Die Denkmäler werden in der Regel ja nicht nur fotografisch dokumentiert, sondern auf einer Karte lokalisiert und mit einer Beschreibung versehen. Dazu bedarf es einer Reflexion des Entdeckten oder des festgehaltenen Monuments. Über die oben erwähnte Austauschmöglichkeit zwischen den Beitragenden untereinander oder mit uns als Redaktion ist dann ein weiterer Erkenntnisgewinn möglich. Gemeinsam lässt sich das Bemerkenswerte einzelner Objekte eben oft noch besser herausarbeiten.  

Ihr schönster Citizen-Scientist-Moment – wie war der? Was war der größte Erfolg der gemeinsamen Forschung? 

Natürlich ist es ein besonderer Moment, wenn man durch die Art und den Umfang der Beteiligung Gewissheit bekommt, dass ein Projekt funktioniert. Das hofft man zwar bei der Konzeption des Ganzen im Vorfeld, aber sicher weiß man es eben immer erst nach dem Ausrollen. Eine schöne Bestätigung war beispielsweise die Resonanz auf den diesjährigen Heimattagen hier in Baden-Württemberg, die in einem recht kleinen Städtchen stattfanden. Das ist keine Fachmesse oder –veranstaltung, sondern da kommen Frau und Herr Müller aus dem Ort an den Stand und wollen wissen, was wir da in Stuttgart „beim Land“ so treiben. Wenn die wieder gehen und sich mit den Worten verabschieden, das Projekt spannend zu finden und selbst ausprobieren zu wollen, dann ist das schon sehr befriedigend. 

Was passiert im Anschluss mit den Meldungen, die die Mitforschenden per App einreichen? Und wo kann man Ergebnisse Ihres Projektes sehen?

Die Beiträge bleiben einerseits in der App selbst sichtbar und jeder einzelne davon vervollständigt die dort integrierte kulturelle Landkarte Baden-Württembergs. Das Erfassungssystem ist hier zugleich auch eine Recherche- und Präsentationsplattform für landeskundlich Interessierte. Zum anderen werden wir die nutzergenerierten Inhalte sukzessive in das zentrale Landesportal LEO-BW überführen und dort mit den Einträgen der Kultureinrichtungen des Landes verknüpfen. Damit sind die gewonnenen Daten nachhaltig gesichert und stehen allen Interessierten dauerhaft zur Nachnutzung zur Verfügung. 
 

Florence Mühlenbein

Projektmanagerin und Online-Redakteurin. Florence betreut die Plattform, kümmert sich um die Social-Media-Kanäle und berät Projekte im Bereich Wissenschaftskommunikation.

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