Was ist Citizen Science?

Dieser aus dem englischsprachigen Raum übernommene Begriff beschreibt einen Ansatz, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse von Personen, die nicht hauptberuflich in der fachzugehörigen Wissenschaft tätig sind, mit oder ohne Beteiligung von hauptamtlich Forschenden, gewonnen werden. Im Dialogprozess des BürGEr schaffen WISSen (GEWISS) Projektes haben mehr als 700 Personen aus über 350 Organisationen und verschiedensten Citizen Science-Aktivitäten diesen Themenkomplex diskutiert. Dabei ist folgende Definition von Citizen Science entstanden:

„Citizen Science beschreibt die Beteiligung von Personen an wissenschaftlichen Prozessen, die nicht in diesem Wissenschaftsbereich institutionell gebunden sind. Dabei kann die Beteiligung in der kurzzeitigen Erhebung von Daten bis hin zu einem intensiven Einsatz von Freizeit bestehen, um sich gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern und/oder anderen Ehrenamtlichen in ein Forschungsthema zu vertiefen. Obwohl viele ehrenamtliche Forscherinnen und Forscher eine akademische Ausbildung aufweisen, ist dies keine Voraussetzung für die Teilnahme an Forschungsprojekten. Wichtig ist allerdings die Einhaltung wissenschaftlicher Standards, wozu vor allem Transparenz im Hinblick auf die Methodik der Datenerhebung und die öffentliche Diskussion der Ergebnisse gehören.“

(aus dem Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland, pdf, S. 13)

Teilweise wird Citizen Science von der institutionellen Wissenschaft initiiert – hier können Bürgerinnen und Bürger unter Anleitung beispielsweise Umweltphänomene beobachten oder große Datensätze online analysieren. Zunehmend werden Citizen-Science-Projekte in Deutschland auch von Behörden initiiert oder in Schulen praktiziert. Citizen Science kann jedoch auch durch langfristiges eigenständiges Engagement im Ehrenamt erfolgen, beispielsweise in Fachgesellschaften, die sich regelmäßig zu bestimmten wissenschaftlichen Themen, sei es Amphibienkunde oder regionaler Geschichte, austauschen und neues Wissen generieren. Es gibt auch Citizen Science-Projekte, die von einzelnen Bürgerinnen und Bürgern oder von der organisierten Zivilgesellschaft initiiert werden, die mit problem-orientierter Forschung ihr Umfeld ändern möchten und professionelle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einem selbst gewählten Zeitpunkt hinzuziehen. (s. a. „Weiterbildung 2-2015 | Schwerpunkt Citizen Science: Potenzial für lebenslanges Lernen“, pdf)

Die Gemeinsamkeit dieser Aktivitäten ist, dass wissenschaftliches Wissen außerhalb der institutionalisierten Wissenschaft erzeugt wird und in die Wissenschaft zurückgeführt wird. Wichtig ist auch, den Austausch und den Zugang zu Wissen für die wissenschaftliche und gesellschaftliche Gemeinschaft zu stärken. Hierzu gehören auch Open Source bzw. Open Science-Methoden und die Präsentation der Ergebnisse in und mit der Öffentlichkeit.

Begriffe wie „Bürgerforschung“, „Bürgerwissenschaft“, „ehrenamtliche Forschung“ oder „Amateurwissenschaft“ sind in bestimmten Bereichen synonym zu Citizen Science. Andere Begrifflichkeiten wie beispielsweise „Do-It-Yourself Science“, „Public History“ oder „transdisziplinäre Forschung“ beinhalten zum Teil ähnliche Merkmale.

Um auch den internationalen Dialog zu erleichtern, nutzen wir hauptsächlich den Begriff „Citizen Science“, der aber hier als einer von vielen in einem bunten Feld von Aktivitäten verstanden werden soll.

Weiterführende Ressourcen

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