Nachgeforscht bei Simone Mäteling von Expedition Münsterland

04. April 2018 von Florence Mühlenbein
Simone Mäteling und Lennart Bohmann bei der mathematischen Erkundung des Aasees in Münster per MathCityMap-App / Copyright: Wessendorf AFO WWU
Simone Mäteling und Lennart Bohmann bei der mathematischen Erkundung des Aasees in Münster per MathCityMap-App / Copyright: Wessendorf AFO WWU

In unserer Reihe Nachgeforscht schnuppern wir mit euch in die Citizen-Science-Projekte auf unserer Plattform rein. Regelmäßig stellen wir eine Projektinitiatorin oder einen Projektinitiator vor und sprechen über ihre oder seine Idee, wie sie Wirklichkeit wurde und worauf es beim Mitforschen ankommt. Diesmal mit Simone Mäteling von Expedition Münsterland. 

 

Wo sind Sie zum ersten Mal mit Citizen Science in Berührung gekommen und was hat Sie bewegt, dabei zu bleiben?

Vor acht Jahren konzipierte die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster ein damals neuartiges Projekt: ein Zugehen auf die sie umgebende Region bei gleichzeitigem Austausch von Wissenschaft, Stadt und Land. Damit war die Expedition Münsterland geboren. Die unglaubliche Themenvielfalt und die Breite der Veranstaltungsformate machten und machen das Projekt sehr spannend.

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt? Und warum wollen Sie Bürgerbeteiligung?

Die damalige Rektorin und die Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) hatten die Idee zu diesem Projekt, da wir seinerzeit feststellten, dass Wissenschaftler und Studierende die Region kaum kennen und sich nicht mit ihr identifizieren. Im vermeintlich wissenschaftlich nicht sehr interessanten Münsterland zu leben, veranlasste die Studierenden nach ihrem Abschluss, der Region den Rücken zuzukehren. Auf der anderen Seite war die WWU in der Region zu wenig präsent. Sie war – wörtlich wie im übertragenen Sinn – zu weit weg. Das wollten wir ändern, indem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Wissenschaftserlebnisse aus dem Elfenbeinturm hinaus in die Region bringen - anschaulich und interessant aufbereitet und so mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt kommen. Alle Projekte der Expedition Münsterland stehen und fallen seitdem mit dem Engagement bürgerwissenschaftlicher Akteure. Wer, wenn nicht die Bürgerinnen und Bürger des Münsterlands, die diversen Heimatvereine und Institutionen kennen all die Orte mit Geschichte des Münsterlandes am besten?

Worum geht es in Ihrem Projekt?

Das Projekt kann formelles und informelles, forschendes Lernen ermöglichen und transdisziplinäres Arbeiten praktisch erfahrbar machen – und dies über den Kontext akademischer Forschung hinaus mitten in die Zivilgesellschaft hinein. Die Bürgerinnen und Bürger des Münsterlands schaffen so gemeinsam Wissen über das Münsterland und die Region sowie ihre historisch und kulturell aufgeladenen Orte, stellen dieses Wissen allen zur Verfügung und helfen so das Wissen über die Region zu vergrößern, zivilgesellschaftliche Gedenk- und Erinnerungskulturen zu initiieren und so an einer aufgeklärten Gesellschaft mitzuarbeiten. In ungezwungener Atmosphäre tauschen sie sich mit der Bevölkerung aus und bauen so Barrieren ab – und lernen ihrerseits das Münsterland kennen. Kinder werden früh mit dem akademischen Umfeld vertraut gemacht, Abiturienten kommen mit Studenten in Kontakt, Erwachsene können eintauchen in die Welt der Wissenschaft. Wer nicht selbst in der Universität tätig ist, hat oft kaum eine Chance, die neuen Entdeckungen, Entwicklungen und Techniken zu verstehen, obwohl sie zunehmend unseren Alltag bestimmen.

Womit ringen Sie in Ihrem Arbeitsalltag am meisten?

Man kann von einem positiven Ringen sprechen: dadurch, dass das Münsterland unglaublich mannigfaltige Themen bietet, die die Expedition Münsterland nicht alle von jetzt auf gleich aufarbeiten kann, fällt uns die Auswahl der besten Ideen häufig schwer. Zugegebenermaßen ein Luxusproblem.

Mal ehrlich: Gab es auch Fehlversuche oder Enttäuschungen? Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Das Projekt in Gänze war vor acht Jahren ein Testballon, bei dem niemand wusste, wie die Resonanz darauf sein wird und wie und ob es sich in den folgenden Jahren entwickelt und etabliert. Sicherlich gibt es immer mal Aktionen, bei denen wir uns ein wenig mehr Interesse gewünscht hätten, aber im Großen und Ganzen können wir uns nicht beklagen.   

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will“, weiß Galileo Galilei. Und darüber hinaus? – Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, um bei dem Projekt mitzumachen?

Neugier – Interesse an der Region - Begeisterungsfähigkeit

Gummistiefel und Fernglas, Toolkit oder App – wie technisch versiert sollten Ihre Mitforscher sein?

Im Münsterland sind Gummistiefel und gute Regenbekleidung grundsätzlich immer von Vorteil und Apps hatten wir auch schon in der Anwendung, aber unsere Expeditionsteilnehmer müssen keine speziellen technischen Kenntnisse mitbringen. Neugier und Interesse sind viel wichtiger!

Was kann man in Ihrem Projekt dazulernen?

Bei uns lernt man das Münsterland mit anderen Augen zu sehen.

Ihr schönster Citizen-Scientist-Moment – wie war der? Was war der größte Erfolg der gemeinsamen Forschung? 

Die Teilprojekte der Expedition Münsterland, x_Orte und die Expedition zum Frieden waren zwei herausragende Projekte, die nur mit Bürgerbeteiligung, im besonderen Information der Heimatvereine, so erfolgreich umgesetzt werden konnten. Hieran konnten, neben zahlreichen Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen der WWU – lokal, regional und international – auch Schüler/innen, Studierende sowie allgemein Interessierte teilnehmen und gestalteten damit gemeinsam das Konzept, den Inhalt und den organisatorischen Rahmen.

Wo kann man Ergebnisse Ihres Projektes sehen?

Unter www.expedition-muensterland.de sind alle kommenden und vergangenen Expedition aufgelistet.

 

Simone Mänteling und Lennart Bohmann bei der mathematischen Erkundung des Aasees in Münster per MathCityMap-App / Copyright: Wessendorf AFO WWU
Simone Mäteling und Lennart Bohmann bei der mathematischen Erkundung des Aasees in Münster per MathCityMap-App / Copyright: Wessendorf AFO WWU

Florence Mühlenbein

Projektmanagerin und Online-Redakteurin. Seit Februar 2018 betreut sie die Plattform, kümmert sich um die Social-Media-Kanäle und berät Projekte im Bereich Wissenschaftskommunikation.

Schreiben Sie uns einen Kommentar