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Die Plattform für Citizen-Science-Projekte aus Deutschland: Mitforschen, präsentieren, informieren!

Vielfältige Citizen Science in Freiburg

Foto: Sandra Meyndt / Universität Freiburg

Das Forum Citizen Science 2023 findet in Freiburg statt. Vor Ort zeigt sich, wie vielfältig Bürgerwissenschaft aussehen kann. Im Beitrag geben Verena Krall und Georg Feitscher von der Universität Freiburg Einblicke in ausgewählte Projekte.

von Verena Krall und Georg Feitscher

„Mit Vielfalt Wissen schaffen“ – das ist das Motto des Forum Citizen Science 2023, das in Freiburg stattfindet. Diese Vielfalt wird besonders deutlich bei einem Blick auf ausgewählte Bürgerwissenschaftsprojekte, die Forschende an der Universität Freiburg aktuell durchführen.

Eine Werkbank auf der eine Geige liegt.
Blick in eine Geigenbau-Werkstatt. Foto: Fabian Stransky

Die Welt des Geigenbaus erkunden

Da ist zum Beispiel die Kulturanthropologin Dr. Sarah May, die sich in ihrer Habilitation mit Holz und Handwerk beschäftigt. Vor anderthalb Jahren wurde sie von der Geigenbauerin Janine Wildhage angesprochen. Die Idee: Gemeinsam könnten die beiden die Ausbildung von Geigenbauer*innen erforschen. Geprägt wird die Ausbildung vor allem von mehreren traditionsreichen Geigenbauschulen in Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Doch auch in diesem Handwerk spielen Zukunftsthemen wie die Digitalisierung zunehmend eine Rolle. May und Wildhage haben vier Schulen stellvertretend besucht. Sie untersuchen, inwieweit Lehren und Lernen im europäischen Geigenbau von Tradition einerseits und von innovativen, zukunftsorientierten Ansätzen andererseits geprägt sind. Begleitet werden sie von den Fotograf*innen Sinah Osner und Fabian Stransky. „In diesem Projekt sind die Rollen nicht so klar verteilt wie sonst – mit Forscherin hier und ‚Beforschten‘ da“, sagt May. „Janine Wildhage hat mit ihrem Expertinnenwissen die Forschung erst ermöglicht. Sinah Osner, Fabian Stransky und sie waren an allen Schritten beteiligt: von der Forschungsfrage über die Untersuchungen vor Ort bis hin zur Redaktion des abschließenden Buchs.“

Begriffe kartieren mit Cognitive Affective Maps

Michael Gorki und Dennis Schuldzinski vom Exzellenzcluster Living, Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems (livMatS) setzen gemeinsam mit Julius Fenn von der Psychologischen Fakultät eine neue Methode ein, um Bürger*innen stärker in die Forschung einzubeziehen: die Cognitive Affective Maps (CAMs). Ähnlich wie bei Mind-Maps assoziieren Befragte hier frei zu einem bestimmten Begriff. Was verbinden die Befragten damit? Welche Aspekte beeinflussen einander gegenseitig? Aber auch: Bewerte ich einen Aspekt positiv oder negativ? Anders als bei klassischen Fragebögen geben CAMs keine Antwortoptionen vor – die Bürger*innen sind in ihren Assoziationen deutlich freier und prägen daher die Forschungsergebnisse stärker mit. Gleichzeitig lassen sich die entstehenden Netzwerke leichter auswerten als beispielsweise ausführliche Interviews. Fenn setzt CAMs etwa ein, um die Perspektiven von Bürger*innen auf neue Technologien zu erfassen. Gorki untersucht, was Menschen genau unter dem Begriff Nachhaltigkeit verstehen. Beides sind Forschungsfelder, die sich unmittelbar auf den Alltag der Bürger*innen auswirken und in denen ihre Stimme umso mehr gefragt ist.

Eine CAM-Diagramm zum Thema "CAMs in Empirical Research".
Eine Cognitive Affective Map (CAM) zum Einsatz von CAMs in der empirischen Forschung. Die Knoten im Netzwerk repräsentieren Konzepte der empirischen Forschung, deren Beziehungen durch verschiedene Arten von Verbindungslinien ausgedrückt werden. Positiv bewertete Konzepte sind grün, neutrale Konzepte gelb, ambivalente Konzepte lila und negativ bewertete Konzepte rot. Bei durchgezogenen Verbindungslinien unterstützen sich die Konzepte gegenseitig, bei gestrichelten Linien hemmen sie sich gegenseitig. Ist statt einer Linie ein Pfeil eingezeichnet, besteht der Einfluss der Konzepte nur in einer Richtung.

Gemeinsam für mehr Biodiversität – das Exploratorium Lebendiges Wittental

Auf einem außerhalb Freiburgs gelegenen Grundstück der Universität, dem „Exploratorium Lebendiges Wittental“, untersucht der Forstentomologe Prof. Dr. Peter Biedermann von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, wie sich mithilfe relativ einfacher Maßnahmen die Artenvielfalt nachhaltig fördern lässt. Dazu legt Biedermann mit seinen Studierenden Biotope wie Blühwiesen, Teiche und Steinmauern an, die Insekten, Vögeln und Pflanzen einen Lebensraum bieten. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Nachbar*innen im Wittental schreibt das Forscher*innenteam groß: Sie können das Exploratorium besuchen, mit den Wissenschaftler*innen in Dialog treten und sich beraten lassen. Die Bürger*innen lernen so, wie sie in ihren eigenen Gärten ebenfalls zur Biodiversität beitragen können. Zugleich geben sie Biedermann neue Ideen und wichtige Rückmeldung, wie sich die Öffentlichkeit für den Artenschutz gewinnen lässt. Im Video zeigen uns Peter Biedermann und Projektteilnehmerin Sanne Bender ihr „Exploratorium Lebendiges Wittental“.

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Video-Produktion: Yannick Noah Layer

Wann ist es eigentlich „heiß“? Individuelle Wetterbeobachtungen von Bürger*innen

Fühlen sich 30 Grad Celsius immer gleich an? Und wann ist der Himmel noch sonnig oder doch schon bewölkt? Der Geograph Rafael Hologa von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen untersucht subjektives Wetterempfinden und ist daher auf Bürger*innen angewiesen, die ihre eigenen Wetterbeobachtungen dokumentieren und damit Einblicke in ihre subjektiven Wetterwahrnehmungen geben. Eine Smartphone-App erlaubt es ihnen, auf einfache Weise am „Crowdsourcing“ der Daten teilzunehmen und eigene Beobachtungen zu teilen. Mithilfe der Daten findet Hologa dann beispielsweise heraus, unter welchen Umständen amtliche Wettermessdaten und subjektives Wetterempfinden übereinstimmen – und wann Abweichungen vorliegen. Dieses Wissen hilft unter anderem dabei, die Anpassung von Städten an den Klimawandel effizienter zu planen und die gesellschaftliche Einordnung von Wetterereignissen besser zu vermitteln. Im Video berichten Hologa und Wetterbeobachterin Alex über das Projekt.

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Video-Produktion: Yannick Noah Layer

Das Forum Citizen Science 2023 findet am 29. und 30. November in Freiburg statt und wird mit Unterstützung der Universität Freiburg ausgerichtet. Eine Anmeldung ist noch bis zum 15. November möglich.

Gastautor*in(nen)

Auf dem Blog von mit:forschen! laden wir Gastautor*innen ein über ihre Perspektive auf Citizen Science und jeweilige Themenschwerpunkte zu berichten. Gastbeiträge spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.