Erfolgsrezepte!? – Eindrücke vom Forum Citizen Science 2019

30. September 2019 von Gastautor*in(nen)

Gastautorinnen: Christine Schröder und Isabel Strauß, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Letztes Jahr in Frankfurt waren wir beide zum ersten Mal auf dem Forum Citizen Science. Wir wollten vor allem einen Eindruck von der Bandbreite der Bürgerwissenschaften und ihrer Methoden, der Chancen und Herausforderungen bekommen. Dieses Jahr kommen wir mit anderen Anliegen her. Sind aber immer noch auf der Suche nach Best-Practice-Beispielen, erprobten Methoden und Praktiken, vielleicht einer Toolbox oder besser noch Erfolgsrezepten, die auch bei uns funktionieren könnten.

Isabel
Besonders interessiert hat mich das Panel „Bürgerforschung auf Augenhöhe“ an Tag 2 des Forums. Hier diskutierten Vertreter*innen aus Hochschulen und des WILA Bonn, welche strukturellen Rahmenbedingungen notwendig sind, um gleichberechtigte Kooperationen der institutionalisierten Wissenschaft mit Bürgerwissenschaftler*innen zu ermöglichen.

Ähnliches war auch Thema im Workshop „Ko-Forschen und Community Building“, in dem Mitarbeiterinnen des Citizen Science Zentrum und der Partizipativen Wissenschaftsakademie in Zürich zusammen mit den Teilnehmenden Praktiken der Partizipation und Kompetenzen für Community Building erarbeiteten.

Als Erfolgsrezept aus beiden Sessions nehme ich mit: um Citizen Science auf Augenhöhe zu ermöglichen, braucht es Transparenz, Ehrlichkeit, Offenheit und Haltung. Gelingungsbedingungen sind hier förderliche Strukturen, d.h. eine Anerkennungskultur (manchmal auch finanzieller Art) für das Engagements sowohl von Bürgerwissenschaftler*innen als auch von Forschenden an den Institutionen selbst. Es braucht spezifische Kompetenzen auf Seiten der „Laien“ und der „Profis“. Und es braucht Zeit, um Vertrauen zu schaffen und gemeinsam Projektideen zu entwickeln.

Ich denke, es braucht (wie so oft) darüber hinaus auch Impulse von außen, z. B. in Form von Förderprogrammen, um Veränderungen in den Institutionen anzustoßen. Und das Thema muss nicht nur von Wissenschaftler*innen vorangetrieben werden, sondern auch von der „Arbeitsebene“ im Wissenschaftsmanagement und auf der Leitungsebene. Das Thema muss wirklich „ganz oben aufgehängt sein“, wie man so schön sagt, um eine institutionelle Transformation langfristig zu erreichen.

Aber zurück zur Augenhöhe.

Christine
Bei mir hat der Kurzvortrag von Claudia Göbel vom Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg in der Academic Papers Session am Donnerstag einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Practice what you preach!“, rief sie uns zu: Wir müssen uns mit den Machtpositionen in unseren Citizen-Science-Projekten auseinandersetzen. Denn Wissenschaft in Form von Citizen Science kann zwar einen transformativen Beitrag leisten und auf gesellschaftliche Probleme antworten. Sie ist aber ebenso Teil der Gesellschaft und von den gleichen Problemen betroffen, sprich: mangelnde Teilhabe, hierarchische (festgefahrene) Macht- und Verteilungsstrukturen, ein Mangel an Inklusion und Diversität.

Wenn wir also mit Citizen Science beginnen, müssen wir auf diese Problemlagen in den Projekten selbst schauen, etwa: Wer kann es sich überhaupt leisten bei einem Citizen-Science-Projekt mitzumachen (und nicht stattdessen Erwerbsarbeit nachzugehen, Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen)?

Daher Göbels konkretes „Rezept“: sich als erstes mit Barrierefreiheit („accessibility“) auseinandersetzen! Wir brauchen eine Veränderung in unserer Organisationskultur, damit die verschiedensten Menschen in Citizen-Science-Projekten miteinander arbeiten können und Diversität umgesetzt werden kann. (Ein paar einfache bis raffinierte Zutaten aus der Praxis: Co-Keynotes etablieren, damit grundsätzlich (mindestens) zwei Perspektiven repräsentiert werden; in der Zusammenarbeit mit Bürger*innen Community Manager*innen einsetzen/berücksichtigen).

Ihre ermutigende Einschätzung: Es ist eine sehr gute Zeit für Citizen Science – die finanziellen Mittel sind da, die Bereitschaft in der Gesellschaft sowie vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung. Allerdings, so die „take home message“: Wir müssen bereits bei der Konzeptualisierung der Projekte darüber nachdenken, wie wir die Projekte barrierefrei, divers und inklusiv gestalten. Und das, finde ich, müsste auch „ganz oben aufgehängt“ sein.

Christine und Isabel
Neben alldem hat uns wie immer der Erfahrungsaustausch mit Kolleg*innen sehr bereichert. Wir haben viele Ideen und auch Fragen (weniger die erhofften Erfolgsrezepte) mitgenommen. Vor allem aber auch ganz viel Motivation weiterzumachen Wir lernen hier gerade noch mit den (Bürger-)Wissenschaftler*innen zusammen. Und das ist eigentlich ganz spannend…

Isabel Strauß und Christine Schröder arbeiten in der Stabsstelle „Bürgeruniversität“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die u. a. den Ausbau von Unterstützungsstrukturen für partizipatives Forschen, Lehren und Lernen an der HHU vorantreiben soll.

Gastautor*in(nen)

Auf dem Blog von Bürger schaffen Wissen laden wir Gastautor*innen ein über ihre Perspektive auf Citizen Science und  jeweilige Themenschwerpunkte zu berichten. Gastbeiträge spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

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