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Buerger schaffen Wissen

Die Plattform für Citizen-Science-Projekte aus Deutschland: Mitforschen, präsentieren, informieren!

Warum Citizen Science? Was sind die Vorteile? Was sind die Herausforderungen?

Citizen Science ist grundsätzlich ein Ansatz für gesellschaftliche Teilhabe in der Wissenschaft, die viele Vorteile bietet. Es wird an unterschiedlichen Stellen behauptet, dass Citizen-Science-Projekte je nach Art des Projektes und der Beteiligung folgende Mehrwerte generieren können:

Mehrwert für die Wissenschaft

  • Inspiration und Generierung von Forschungsfragen durch Einbringung neuer Ideen, Fragestellungen, Methoden und anderen
  • Wissensformen aus der Gesellschaft.
  • Ermöglichung großer, räumlich und zeitlich skalierter Datensätze.
  • Diverse Auswertungskapazitäten z.B. von Fotos, Scans und Videosequenzen.
  • Höhere Akzeptanz der Forschungsergebnisse.
  • Evaluation der wissenschaftlichen Ergebnisse durch die Gesellschaft.
  • Überprüfung der praktischen Relevanz und Anwendbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse.

Mehrwert für die Gesellschaft

  • Generierung und Kommunikation von gesellschaftlich relevanten Forschungsfragen.
  • Mitgestaltung einer transparenten Forschung.
  • Übernahme von Verantwortung für die Mitwirkung in Forschung.
  • Gestaltung eines Perspektivwechsels von allen Beteiligten.
  • Möglichkeit zu gesellschaftlicher Transformation, z. B. Richtung Nachhaltigkeit.
  • Bessere Übertragung von Forschungsergebnissen in die Praxis durch frühzeitige Einbindung gesellschaftlicher Akteure.
  • Öffnung der Deutungshoheit der Wissenschaft.
  • Stärkung der Zivilgesellschaft und Verwaltung.

Mehrwert für die Beteiligten

  • Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnis leisten
  • Erhöhung der Bildung (auch Weiterqualifizierung) und des Wissenschaftsverständnis.
  • Mehr Akzeptanz und Verständnis für ein Problem.
  • Innovative Ideen in die Wissenschaft einbringen.
  • Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen. durch inhaltliche Beiträge
  • Einbringen von Ideen und Vorschlägen zu Alternativen.
  • Kritische Hinterfragung der wissenschaftlichen Ergebnisse.
  • Mitwirken an besserer Umwelt und besserer Gesellschaft.
  • Spaß haben und teilen.

Nicht alle dieser Mehrwerte wurden bis jetzt belegt. Darüber hinaus wäre es nicht möglich, alle Bereiche innerhalb von einem Projekt zu bedienen. Deswegen ist es um so wichtiger, die konkreten Ziele zum geplanten Projekt zu überlegen.

Citizen Science ist aber nur ein möglicher Ansatz, um Bürgerinnen und Bürger in die Forschung einzubinden. Nicht für jede wissenschaftliche Fragestellung ist der Ansatz geeignet, praktikabel oder sinnvoll. Es ist wichtig, sich frühzeitig zu überlegen, ob Citizen Science anwendbar ist. Citizen Science frühzeitig durchzuführen.

Folgende Fragen sollten vor Projektbeginn gestellt werden:

  • Passfähigkeit und Komplexität der Fragestellung: Für wen ist das Thema außerhalb der eigenen Forschungsgruppe interessant?
  • Passfähigkeit des Forschungsdesigns und der -methoden: Sind sie für die Frage gut geeignet und passen sie zu Citizen Science?
  • Benötigtes Vor- oder Spezialwissen: Was müssen die Forschenden und andere Beteiligten wissen, und können sie das im Projekt lernen?
  • Erhöhter Zeitaufwand für Kommunikation und Koordination, inkl. Implementierung von Datenprotokollen oder Apps: Sind die benötigten Ressourcen vorhanden?
  • Aufwand von Geräten (Labore) und Infrastrukturen: Sind die benötigten Ressourcen vorhanden?
  • Langfristige Sicherung der Zusammenarbeit: Was passiert nach Projektende? Wie werden die Ergebnisse weiter genutzt?
  • Sicherung von (versicherungs-)rechtlichen und ethischen Anforderungen: Gibt es Gesetze oder ethische Richtlinien, die beachtet werden müssen?
  • Umsetzung der Ergebnisse und Evaluation des Projektes: Anhand welcher Kriterien soll evaluiert werden?

STORY: Integration von Keramikern in ein experimentalarchäologisches Forschungsprojekt

Töpfereiareale konnten schon in der Antike und im Mittelalter industrielle Dimensionen haben. Transparente Zahlenangaben zur Leistungsfähigkeit der Brennöfen fehlen jedoch vielfach. Sie wären u. a. notwendig, um fundierte und überprüfbare Aussagen über den Niedergang von Töpfereien oder über ihr jahrhundertelanges Fortbestehen treffen zu können. Am Labor für Experimentelle Archäologie des RGZM hat man begonnen Rekonstruktionen von Öfen der Mayener Großtöpfereien zu bauen und zu erproben.

Von Beginn an wurde eine kleine Gruppe von Keramikerinnen und Keramikern in das Projekt integriert, die u. a. Erfahrungen in Bereichen wie der Entwicklungshilfe, dem Schuldienst, an Fachschulen oder auf dem Living History-Sektor gesammelt hatten. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie in der Mitarbeit in einem Forschungsprojekt Möglichkeiten zur beruflichen und persönlichen Weiterbildung sehen. Mit jeder einzelnen Person wurden der fachliche Rahmen, das zeitliche Ausmaß ihres Engagements sowie die persönlichen Ziele geklärt und innerhalb der Forschungsgruppe kommuniziert. Es muss immer klar bleiben, dass Beteiligte keine uneingeschränkt verfügbare Personalressource sind und einen konkreten „Gegenwert“ erwarten dürfen. Besonders wichtig ist es auch, die Verpflichtungen zu klären, die sich aus den institutionellen und wissenschaftspolitischen Rahmenbedingungen ergeben. Diese stoßen eher auf geringeres Interesse, ihre Kenntnis ist jedoch für das Verständnis von Abläufen innerhalb des Projekts unverzichtbar. Darüber hinaus ist die Kenntnis dieser Aspekte auch deshalb wichtig, weil die Keramikerinnen und Keramiker als wichtige Multiplikatoren im direkten Besucherverkehr und in ihrem Umfeld Bilder der Institution transportieren. Es hat sich sehr bewährt, die Beteiligten ausdrücklich zu ermuntern, die Einrichtung ihren eigenen Eindrücken folgend und mit ihren eigenen Worten vorzustellen.