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Buerger schaffen Wissen

Die Plattform für Citizen-Science-Projekte aus Deutschland: Mitforschen, präsentieren, informieren!

Citizen-Science-Umfrage 2020: Analyse der Projekte der Plattform Bürger Schaffen Wissen

Das Ziel der Umfrage war die Weiterentwicklung der Angebote der Plattform "Bürger schaffen Wissen". Wir wollten dazu einen möglichst umfassenden Überblick über die Citizen-Science-Projekte gewinnen, welche im Sommer bei uns gelistet waren.

Vom 15. Juli bis zum 25. September führten wir unter allen Projekten der Plattform eine Online-Umfrage durch. Angeschrieben wurden die 140 Projekte, welche zum Start nach unserer Kenntnis noch nicht beendet waren. Die Umfrage hatte unter anderem das Ziel, gesicherte Erkenntnisse über fünf wesentliche Bereiche zu erhalten: Die Projektorganisation (wie Finanzierung, Laufzeiten und personelle Ausstattung), Wissenschaft (Fragestellungen, Prüfung der Daten, Auswertung), Kommunikation, Beteiligte, Evaluation sowie zusammenfassend eine Einschätzung der Zufriedenheit.

Eine umfassende Veröffentlichung der Ergebnisse ist in Vorbereitung. Wir geben an dieser Stelle einen ersten stichpunktartigen Überblick:

Projektorganisation

  • 79 Projekte nahmen in einer Weise teil, dass wir ihre Daten auswerten konnten (56%). Von diesen befinden sich 52 in der Durchführungsphase, 12 in der Auswertungs- und Abschlussphase und weitere 15 waren schon abgeschlossen.
  • 44 der Projekte haben ein offenes Ende, also keine definierte Laufzeit. Vier Projekte sind für weniger als ein Jahr angelegt. Zwischen einem und vier Jahren laufen 24 Projekte. Länger als fünf Jahre laufen insgesamt sieben Projekte.
  • 56 der 79 Projekte (71%) wurden von einem Initiator ins Leben gerufen, immerhin noch 14 hatten zwei, sechs hatten drei und zwei vier Initiatoren. Universitäten und Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen sind mit je 27% die häufigsten Projektstarter. 13% wurden von Vereinen, Gruppen, Stiftungen oder NGOs, 8% von Behörden begonnen. Interessant ist, dass Schulen und Bildungseichrichtungen, Medien und Privatpersonen nur in seltenen Ausnahmefällen Projekte starten.
  • Zwei Drittel der Projekte haben eine finanzielle Förderung, aber ein Drittel hat keine. Die detailliertere Analyse zeigt große Unterschiede in den Fachdisziplinen: Mehr als Dreiviertel der 22 Sozial- und Humanwissenschaftlichen Projekte müssen ohne Förderung auskommen, aber nur knapp die Hälfte der 24 Kultur- und Geisteswissenschaftlichen Projekte. Den größten Anteil stellen die Naturwissenschaftlichen Projekte (112), davon haben immerhin 37% keine Förderung.
  • Die personelle Ausstattung ist sehr unterschiedlich, wird aber von 53% als „der Aufgabenfülle nicht angemessen“ bewertet.

Wissenschaft

  • Mit Abstand wird als wichtigstes übergeordnetes Ziel der Projekte „wissenschaftliche Forschungsfragen beantworten“ genannt (36 Projekte), danach mit deutlichem Abstand „Wissenschaft für die Gesellschaft öffnen und Verständnis für Wissenschaft fördern (jeweils 8 Projekte).
  • Wir sehen eine große Bandbreite an Datenauswertungsmethoden, praktisch alle Projekte prüfen Ihre Daten auf Qualität – ebenfalls mit vielen unterschiedlichen Methoden. Die Daten werden ganz überwiegend quantitativ ausgewertet (80%), die Datenauswertung liegt überwiegend bei den Wissenschaftler*innen (90%).

Beteiligte

  • In 2019 haben sich insgesamt 63.439 Citizen Scientists aktiv beteiligt.
  • Rückblickend auf 2019 wird die Anzahl von 17% als „höher als erwartet“ und von 50% als „wie erwartet“ eingeschätzt. 15% der Projekte berichten weniger freiwilliges Engagement als erwartet und 18% konnten die Frage nicht beantworten. Für 2020 gibt es Corona-bedingt Projekte mit mehr und andere mit weniger Zulauf.
  • Es überwiegen Projekte, in denen die Citizen Scientists „Beitragende“ sind (91%), allerdings sehen wir auch, dass viele Projekte mehr als eine „Rolle“ zum Mitforschen anbieten.
  • Die Analyse der Arbeitsteilung zwischen Wissenschaftler*innen und Citizen Scientists zeigt ein eher klassisches Muster: wissenschaftliche Fragestellungen entwickeln (81%), Daten auf Qualität prüfen (78%), auswerten (90%) und interpretieren (89%), Ergebnisse diskutieren (73%) und kommunizieren (83%), etc. wird überwiegend von den Wissenschaftler*innen erledigt. Sie übernehmen in den Projekten den größeren Anteil an der Arbeit.
  • Die Citizen Scientists engagieren sich beim Datensammeln (systematisches Beobachten 67%, Messen 64%), Sortieren, Kategorisieren, Verschlagworten (47%), aber ebenfalls auch beim Diskutieren der Ergebnisse (54%).
  • Der Grad der Autonomie der Freiwilligen ist unterschiedlich; es gibt Projekte/Aufgaben mit eher hoher und eher niedriger Autonomie.

Kommunikation

  • Die Kommunikation der Ergebnisse findet in einer ausgewogenen Mischung aus nicht-wissenschaftlichen und wissenschaftlichen Kanälen statt, wir sehen eine hohe Vielfalt der genutzten Kanäle.
  • Dreiviertel der Projekte nutzen den eigenen Internetauftritt, 65% Presse und Media, populärwissenschaftliche Artikel und Vorträge, (60%) sowie Social Media (50%). Wissenschaftliche Konferenzbeiträge haben 49% gehalten, weitere 19% planen dies. Wissenschaftliche Artikel wurden von 39% der Projekte verfasst, der gleiche Anteil ist in Planung. Zwischenergebnisse sind auf online zugänglichen Karten (60%) oder Datenportalen (39%) zugänglich.

Evaluation

  • Ein Drittel der Projekte wird nicht evaluiert.
  • 62% führen eine interne Evaluation durch, knapp 3 % haben damit eine*n Externe*n beauftragt.
  • Von den 35 Projekten, die evaluieren, überprüfen 44% die Wirkung auf die Teilnehmenden, 17% führen eine ökologische Evaluation (Wirkung auf Tiere, Pflanzen, Habitate in naturwissenschaftlichen Projekten) und 6% eine ökonomische Evaluation durch. Die mit großem Abstand am häufigsten eingesetzte Methode ist die Befragung (74%), gefolgt von Interviews (51%).

Zufriedenheit

  • Bei der abschließenden Frage zur persönlichen Einschätzung zeigten sich die meisten Befragten recht (53%) oder sehr zufrieden (25%) mit der Qualität der wissenschaftlichen Ergebnisse. Die Vernetzung mit Praxispartner*innen wird ebenfalls positiv gewertet (recht 36%, sehr zufrieden 26%). Schlusslicht der insgesamt sieben präsentierten Bereiche bildet die Finanzierung: Hier sind 29% recht und 22% sehr zufrieden.

 

Die Ergebnisse der Umfrage liefern umfassende Fakten über die Citizen-Science-Projekte der Plattform. Sie sind damit eine gute Grundlage für weitere, vertiefende Analysen und Ableitungen. Auf der Basis der Ergebnisse haben wir praxisorientierte Hinweise und Empfehlungen für die präsentierten Projekte abgeleitet, das Review-Verfahren für neue Projekte optimiert und insgesamt die Beratung der Projekte verbessert. Weitere Neuerungen werden wir in den nächsten Wochen vorstellen.

Die letzte vergleichbare Studie fand 2016 statt (Pettibone, Vohland & Ziegler, 2017).

 

Für das Team von Bürger Schaffen Wissen

Dr. Nicola Moczek (umfrage@buergerschaffenwissen.de).