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Buerger schaffen Wissen

Die Plattform für Citizen-Science-Projekte aus Deutschland: Mitforschen, präsentieren, informieren!

Stand des Programms: 10. März 2021. 

Vortragssessions: Die 90-minütigen Sessions sind bei den Vorträgen à 2x 45 Minuten gruppiert. Die Anmeldung erfolgt für die gesamte Session. Sie können sowohl an beiden als auch nur an einem der zwei Blöcke teilnehmen. 

MITTWOCH, 5. MAI 2021

18:30  20:30 Uhr: Netzwerkabend 

Wir freuen uns, informell bereits am Mittwochabend in den Austausch zu kommen und laden alle Referent*innen und Teilnehmende zu einem lockeren Netzwerkabend ein. Details folgen in Kürze. 

DONNERSTAG, 6. MAI 2021

12:00  14:00 Uhr: Treffen der Arbeitsgruppen

Die Arbeitsgruppen im Netzwerk von Bürger schaffen Wissen haben hier die Möglichkeit, offene Arbeitstreffen durchzuführen. Neu Interessierte sind herzlich eingeladen! 

12:00  14:00 Uhr: digitale Poster-Session 

Moderation: Julia Lorenz, Museum für Naturkunde Berlin
Bei der digitalen Poster-Session können Teilnehmende und Referent*innen der Poster ins Gespräch kommen. 

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HAUPTPROGRAMM

14:00  15:00 Uhr: Eröffnungsimpuls, Begrüßungsrunde, Keynote 

  • Eröffnungsimpuls
    Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel, Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Begrüßungsrunde
    durch Vertreter*innen vom Museum für Naturkunde Berlin, Wissenschaft im Dialog und der Technischen Universität Berlin
  • Keynote: Gemeinsam Zukunft gestalten im Spannungsfeld von Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft
    Prof. Dr.-Ing. Vera Meyer, Technische Universität Berlin

15:00  16:30 Uhr: Parallelprogramm Donnerstagnachmittag

I. Vortragssession: Erkenntnisse aus der Freiwilligenforschung 
Moderation: Nicola Moczek, Museum für Naturkunde Berlin

Block A (15:00-15:45)

  • WTimpact - Erfahrungsbericht: Wie kann die Qualität von Daten in CS-Projekten verbessert werden? 
    Referent*in: Robert Hagen, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Verbundprojekt WTimpact
    Co-Autor*innen: Sophia Kimmig, Konstantin Börner


    In Citizen-Science (CS)-Projekten tragen Bürger*innen dazu bei, Daten zu sammeln, die für die Beantwortung von fachspezifischen Fragestellungen von hoher Bedeutung sind. Um die Daten valide auswerten und die Aussagekraft der Ergebnisse einordnen zu können, sollte bereits bei der Planung der Studie berücksichtigt werden, wie eine möglichst hohe und gleichbleibende Qualität der durch die Teilnehmenden aufgenommenen Daten erzielt werden kann. Im Rahmen eines der größten CS-Projekte zum Thema „Urbane Wildtiere“ haben innerhalb von mehr als zwei Jahren (2018-2020) 891 Teilnehmende anhand von Wildtierkameras ca. 74.000 Fotos in ihren Privatgärten aufgenommen und auf einer Internetplattform bestimmt und validiert. Vorab erhielten die Teilnehmenden einen Einführungsworkshop und konnten ein Online-Tutorial zur Bildbestimmung durchlaufen. Jedes relevante Wildtier-Foto wurde durch zwei Teilnehmende bewertet. Wenn deren Einschätzungen voneinander abwichen, wurde das Foto von einer/m Wissenschaftler*in final bestimmt. Neben möglichen Fehlbestimmungen beeinflussten weitere Fehlerquellen die Datenqualität im Projekt: Zum Teil wich die Datenaufnahme von den standardisierten Vorgaben ab.  Zudem gab es teilweise technische Probleme, z.B. mit dem Zeitstempel der Kameras. Wir berichten, welche Maßnahmen wir ergriffen haben, um Fehler bei der Datenerhebung und –auswertung zu vermeiden, und wie wir mit aufgetretenen Fehlern umgegangen sind. Daraus leiten wir Empfehlungen für andere CS-Projekte ab.
     
  • WTimpact - Wie aktiv sind die Citizen Scientists in verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses?
    Referent*in: Till Bruckermann, Leibniz Universität Hannover
    Co-Autor*innen: Hannah Greving, Anke Schumann, Milena Stillfried, Robert Hagen, Konstantin Börner, Sophia Kimmig, Miriam Brandt, Ute Harms


    Citizen-Science (CS)-Projekte beschäftigen sich mit unterschiedlichen Themen und ermöglichen es Bürger*innen, sich an verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses zu beteiligen. Diese Beteiligung findet zunehmend online statt, so dass Teilnehmende digitale Werkzeuge zur Datensammlung, -auswertung und -diskussion nutzen können. Bisher wurde allerdings noch keine vergleichende Analyse für die Mitarbeit in verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses in CS-Projekten durchgeführt. Wir haben erstmals für drei thematisch unterschiedliche, online-basierte CS-Projekte (N1=397, N2=66, N3=44) untersucht, wie häufig die Teilnehmenden tatsächlich Daten gesammelt und ausgewertet haben. Die Aktivitäten zur Datensammlung und -auswertung fanden auf einer Internetplattform statt, auf der die Mitarbeit der Teilnehmenden mit Hilfe von Tracking-Tools verfolgt wurde. Anhand der daraus resultierenden Tracking-Daten berechneten wir Metriken, die angaben, ob Teilnehmende aktiv Aufgaben ausführten oder eher passiv stöberten, also Inhalte anschauten, ohne selbst aktiv zu werden. Unsere Ergebnisse zeigten, dass sich die Art und der Grad der Beteiligung zwischen der Datensammlung und -auswertung unterschieden, unabhängig vom Thema des CS-Projektes. Wir schlussfolgern, dass eine aktive Beteiligung im gesamten Forschungsprozess nicht unbedingt vom Thema eines CS-Projektes abhängig ist. Wir diskutieren die Implikationen unserer Ergebnisse für die Rolle der Teilnehmenden und die Gestaltung von CS-Projekten.
     
  • WTimpact - Die Rolle von Ownership und Mitgefühl für die Beteiligung an Citizen-Science-Projekten
    Referent*in: Hannah Greving, Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM)
    Co-Autor*innen: Till Bruckermann, Joachim Kimmerle


    Citizen-Science (CS)-Projekte werden immer beliebter. Bisher ist allerdings wenig darüber bekannt, wie sich die Beteiligung von Teilnehmenden an CS-Projekten auf affektiv-emotionale Variablen wie psychologisches Ownership auswirkt. Mit Ownership wird das Gefühl bezeichnet, etwas persönlich zu besitzen wie in diesem Fall ein CS-Projekt. Bisherige Literatur zu CS räumt Ownership eine wichtige Rolle ein und nimmt an, dass der Grad der Beteiligung für Ownership relevant ist. Jedoch fehlen bisher fundierte Studien, die diese Annahme belegen. Ebenso ist wenig erforscht, wie sich spezifische Emotionen wie Mitgefühl auf Einstellungen zu CS und Intentionen, sich an CS zu beteiligen, auswirken. Aus der psychologischen Forschung ist bekannt, dass Mitgefühl mit hohen Verhaltensintentionen einher geht. Dieser Einfluss wurde bisher aber noch nicht im CS-Bereich gezeigt. Daher haben wir diese beiden Fragestellungen in fünf Laborstudien mit insgesamt N = 638 Teilnehmenden untersucht. Die Ergebnisse der Studien zeigten, dass sich eine hohe Involviertheit positiv auf Ownership auswirkte, und zwar dann, wenn die Involviertheit der Rolle der Teilnehmenden entsprach. Außerdem zeigten sie, dass verletzte Wildtiere mehr Mitgefühl auslösten als bedrohliche oder niedliche Wildtiere. Durch das Mitgefühl verbesserte sich die Einstellung zu CS und stiegen die Intentionen, sich zukünftig an CS-Projekten zu beteiligen. Wir diskutieren die theoretischen und praktischen Implikationen der Befunde für CS.

 

Block B (15:45-16:30)

  • Mücken, Daten, Teilnehmer - Erkenntnisse aus 9 Jahren 'Mückenatlas'
    Referent*in: Nadja Pernat, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. & Institut für Biologie, Freie Universität Berlin
    Co-Autor*innen: Helge Kampen, Friedrich-Loeffler-Institut; Jonathan M. Jeschke, Institut für Biologie, Freie Universität Berlin & Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Doreen Werner, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

    Langfristige Daten zur Verbreitung und Phänologie von Stechmücken werden benötigt, um festzustellen, wann und wo potenzielle Überträgerarten vorkommen und wie sie sich ausbreiten. Hiermit können Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier abgeschätzt und Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen abgeleitet werden. Das Citizen Science-Projekt "Mückenatlas" startete 2012 als Teil eines bundesweiten Stechmückenmonitoring-Programms. Jeder Mitbürger ist eingeladen, Stechmücken zu fangen und zur wissenschaftlichen Auswertung an das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Müncheberg, oder das Friedrich-Loeffler-Institut, Greifswald, zu schicken. Bis Ende 2020 erweiterten über 153.000 Stechmücken aus mehr als 27.500 Einsendungen die Datensammlung. Während der letzten Jahre wurde der „Mückenatlas“ in Bezug auf (1) den wissenschaftlichen Output, (2) die Teilnehmerrekrutierung, -struktur und -motivation, (3) die Unterschiede zu herkömmlichen Monitoringmethoden und (4) die Aussagekraft der Daten umfangreich evaluiert. Mit einem Überblick über die Evaluierungsansätze und -ergebnisse aus den bereits erfolgten und geplanten Veröffentlichungen teilen wir unsere langjährigen Erfahrungen und geben Empfehlungen, wie formale, konventionelle Monitoringprogramme auf unterschiedlichen Skalierungen von Citizen Science profitieren kann.
     
  • Vergleichende Evaluation bürgerwissenschaftlicher Co-Design-Prozesse im Projekt Nachtlicht-BüHNE​
    Referent*in: Friederike Klan, Institut für Datenwissenschaften, DLR
    Co-Autor*in: Dr. Christopher C.M. Kyba, Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ)

    Idelaerweise arbeiten Bürger*innen und teilnehmende Wissenschaftler*innen schon bei der Konzeption, Gestaltung und Erprobung mobiler Softwareanwendungen für die Datenerhebung in Citizen-Science-Projekten zusammen (Co-Design). Auf diese Weise können beide Seiten ihre Erwartungen, Wünsche, Kenntnisse und ihr Engagement frühzeitig einbringen und so den Nutzen und die Akzeptanz der entstehenden Anwendungen verbessern. Wie ein solcher Co-Design-Prozess sinnvoll ausgestaltet werden muss und kann hängt sehr stark von (1) den Interessen, den Fähigkeiten und dem Hintergrundwissen der Projektteilnehmenden ab, (2) von der Komplexität und Art der Datenerhebungsmethodik, welche mit der späteren Anwendung umgesetzt werden soll, und (3) von den zeitlichen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen unter denen die Software entwickelt wird. In unserem Beitrag stellen wir zwei Co-Design-Methodiken vor. Diese stellen ganz unterschiedliche Best Practice-Ansätze dar, welche bei der Entwicklung von mobilen Anwendungen zu den Themen Lichtverschmutzung und Meteorbeobachtung im Rahmen unseres Citizen-Science-Projektes Nachtlicht-BüHNE entstanden sind. Wir untersuchen und vergleichen die entstandenen Methoden hinsichtlich ihrer Eignung für den Einsatz unter verschiedenen Rahmenbedingungen und geben damit zukünftigen Citizen-Science-Projekten auf Basis von partizipativ entwickelten mobilen Anwendungen eine Entscheidungshilfe für die Ausgestaltung ihres Co-Design-Ansatzes an die Hand.
     
  • Citizen Science mit historischen Quellen: Evaluation eines niederländischen Freiwilligenprojektes
    Referent*in: Werner Scheltjens, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
    Co-Autor*in: Jan Willem Veluwenkamp, Rijksuniversiteit Groningen


    Nach mehr als 10 Jahren wurde Anfang 2020 die Digitalisierung der “Dänischen Sundzollregister”, eine  zentrale Quelle für die europäische Geschichte, feierlich abgeschlossen. Alle Interessenten können nun im Internet auf eine Datenbank zugreifen, in der etwa 1.8 Millionen registrierten Durchfahrten von Schiffen und ihren Ladungen durch den Öresund, die Meeresenge zwischen Nord- und Ostsee, im Detail verzeichnet wurden (www.soundtoll.nl). Die Daten bieten einen einzigartigen Einblick in die europäische Handelsschifffahrt in mehr als drei Jahrhunderten - von 1497 bis 1857. Die Datenbank wurde in zwei Phasen erstellt. In der ersten, mit niederländischen Fördergeldern finanzierten Phase (2009-2013) realisierten bis zu 70 Mitarbeiter*innen einer sozialen Werkstatt die Eingabe von etwa 1.2 Millionen handschriftlichen Datensätzen. Anschließend wurde die Eingabe der restlichen Register in der Form eines Freiwilligenprojektes fortgesetzt. Dieser Vortrag stellt die gemachten Erfahrungen in der Umsetzung dieses Freiwilligenprojektes vor und reflektiert die Chancen und Herausforderungen der Realisierung eines historischen Digitalisierungsprojektes unter Beteiligung von Freiwilligen. Insbesondere wird auf die Suche nach Freiwilligen, die Interaktion mit Freiwilligen, und die Gestaltung einer nachhaltigen und wertschätzenden Arbeitsatmosphäre eingegangen. Die gemachten Erfahrungen werden kritisch ausgewertet und können als Inspiration für zukünftige (historische) Citizen Science Projekte dienen.

 

II. Workshop: TechnoCitizenScience, oder: Auf der Suche nach den Bürger:innen in der Technikentwicklung
Katherin Wagenknecht, Technische Hochschule Wildau; Mitra Wakil, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; Christoph Schneider, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), KIT; Fabian Hesse, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Die Ausgestaltung des technischen Wandels ist zu einer Kernfrage unserer Gesellschaft geworden. Der Workshop stellt die Frage, wie gesellschaftliche Teilhabe bei der Entwicklung technischen Fortschritts stattfinden kann: Inwiefern lassen sich Beteiligungen auch jenseits von shadow work und Prosumer:innen als emanzipierende Handlungsformen denken? Obwohl Bürger:innen als Endverbraucher:innen technischer Systeme mittelbar betroffen sind von technischen Entwicklungen, bildet sich das nicht in entsprechenden Möglichkeiten der Beteiligung ab. Dabei kommen bei der partizipativen Arbeit an technischen Innovationen, etwa in offenen Onlinecommunities, auch Zukunftsbilder in den Blick, die im Sinne eines Agendasettings für Technikentwicklung aus der Bürger:innenschaft genutzt werden können. Im Workshop diskutieren wir Szenarien, die am KIT/ITAS in einem Projekt zu Zukunftsvisionen von 3D Druck Herstellungsverfahren erstellt werden. Diese zeigen Möglichkeiten der verantwortlichen gesellschaftlichen Nutzung und Demokratisierung von 3D Druck auf. Mit den Teilnehmenden möchten wir diese Szenarien spekulativ diskutieren – sowohl um sie zu modifizieren, als auch um Möglichkeiten und Grenzen einer bürger:innenschaftlichen Demokratisierung des technischen Wandels zu besprechen. Dabei greifen wir sowohl auf sozialwissenschaftliche als auch auf künstlerische Methoden der Szenarienentwicklung zurück.

III. World Café: Handlungsfelder, Potenziale, Herausforderungen einer Citizen Science Strategie 2030 für Deutschland
Thora Herrmann, Helmholtz Centre for Environmental Research - UFZ  / German Centre for Integrative Biodiversity Research (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Lenkungskreis der AG Weißbuch: Thora Herrmann, Aletta Bonn, Julia von Gönner, Susanne Hecker, Matthias Premke-Kraus, Silke Voigt-Heuke, Christin Liedkte, Wiebke Brink

Bürgerforschung –  Citizen Science – spielt eine immer wichtigere Rolle als Transformationspotential für die Forschung, leistet einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaftskommunikation und für die Gesellschaft.  
Das 2016 erschienene Grünbuch Citizen Science Strategie für Deutschland 2020 formulierte mehr als 50 Handlungsoptionen für die Stärkung und die Schaffung neuer Strukturen und Rahmenbedingungen für Citizen Science. Damit stellt es einen wichtigen Schritt hin zum Ausbau von Citizen Science in Deutschland dar. Seit 2020 erarbeiten Bürgerwissenschaftler*innen, Wissenschaftler*innen und Interessierte aus der Politik und Gesellschaft in einem ko-kreativen Prozess eine Citizen Science Strategie 2030 für Deutschland und ein Weißbuch. Es setzt sich mit den größten Herausforderungen und Potenzialen von Citizen-Science in den nächsten zehn Jahren auseinander und zeigt anhand von Handlungsoptionen was in Zukunft getan werden muss, um Citizen Science in Deutschland weiter zu verankern. Der Workshop beginnt mit einem Überlicksvortrag zum Weißbuch-Prozess und stellt die Ergebnisse der Citizen Science-Weißbuch Umfrage vor. Darauf aufbauend werden konkrete bundesweite CS-Projekte vorgestellt. Anschließend sind Teilnehmer*innen eingeladen im interaktiven online World Café-Format die Handlungsfelder der Citizen Science Strategie 2030 zu diskutieren, und Handlungsbedarfe und mögliche Handlungsoptionen für Citizen Science zu identifizieren. Die Ergebnisse werden in den weiteren Weißbuch Prozess einfließen.

IV. Workshop: Partizipation gestalten: bürgerwissenschaftliche Beteiligung in den Sozialwissenschaften
Michael Weinhardt, Technische Universität Berlin; Katherin Wagenknecht, Technische Hochschule Wildau; Katharina Löhr, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)

In diesem interaktiven Workshop diskutieren wir Szenarien zur Anwendung und Umsetzung von Partizipationsmöglichkeiten von Citizen Science in den Sozialwissenschaften. Im Workshop soll zum einen diskutiert werden, welche Formen Beteiligung und Partizipation inhaltlich in sozialwissenschaftlichen Projekten annehmen kann. Zum anderen geht es darum, wie die methodische Umsetzung der inhaltlichen Beteiligung organisiert werden sollte. Dabei orientieren wir uns an folgenden Leitfragen: Welche Herausforderungen und Barrieren, welche Potentiale und Möglichkeiten lassen sich identifizieren und benennen? Welche Zugänge und Methoden sind geeignet, um Austausch zwischen Wissenschaftler:innen und Nicht-Wissenschaftler:innen für alle erfolgreich zu gestalten? Auf welche Weise lassen sich die für das Forschungsvorhaben relevanten Entscheidungsprozesse so organisieren, dass alle Beteiligten die Chance bekommen, ihre Sichtweise einzubringen? Wie können Entscheidungen gefällt werden, die von allen mitgetragen werden? Der Workshop ist als World Café angelegt, indem Wissenschaftler:innen wie Practioners diese Fragen basierend auf ihren Ideen und Erfahrungen gemeinsam spekulativ erörtern können – sowohl um Möglichkeiten und Grenzen auszuloten, als auch, um sie zu modifizieren und ggf. weiterzuentwickeln. In wechselnden Kleingruppen werden diese identifizierten Kriterien und Lösungsansätze diskutiert und im Wechsel besprochen. In einer Abschlussrunde werden die Ergebnisse für alle sichtbar festgehalten.

16:30  17:00 Uhr: Virtuelle Kaffee- und Bewegungspause

Wo wir sonst von Raum zu Raum eilen und über den Markt der Möglichkeiten laufen, sind wir bei einer digitalen Konferenz in verschiedenen Räumen und doch am gleichen Platz. Für eine kurze Auflockerung werden wir uns gemeinsam bewegen. 

17:00  18:30 Uhr: Parallelprogramm Donnerstagabend

I. Vortragssession: Projektvorstellungen
Moderation: Kathrin Wieck, Technische Universität Berlin

BLOCK A (17:00-17:45)

  • Projekt CLUsterkopfschmerz Erforschen (CLUE) – Konzeption, Durchführung, Ergebnisse, Erkenntnisse​
    Referent*in: Jörg Scheidt, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof

    Im Projekt CLUE – gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von bürgerwissenschaftlichen Vorhaben 2017 – wurden anfallartige Kopfschmerzerkrankungen, insbesondere Clusterkopfschmerz und Migräne, untersucht. Methodisches Ziel war es, die forschenden Bürgerinnen und Bürger, also vor allem Betroffene, Studierende, Schülerinnen und Schüler, in den gesamten Forschungsprozess – von der Definition der Forschungsfragen bis zur Veröffentlichung der Forschungsergebnisse – einzubinden. Hat das funktioniert? Die durchlebten Höhen und Tiefen auf dem Weg zum Ziel möchten wir im Rahmen dieses Vortrags darstellen. Dabei werden alle Phasen des Projekts diskutiert, von der Projektidee zum bürgerwissenschaftlichen Antrag über die Findung der Forschungsfragen und die Datensammlung bis hin zur Datenauswertung und der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse. Ferner werden erste Ergebnisse präsentiert, nämlich zur Wirksamkeit von Akutmedikamenten bei Clusterkopfschmerzattacken sowie zur Häufigkeit von Migräneanfällen bei Schülern im Vergleich zwischen Ferien- und Schulzeiten. Dabei sollen auch die Hindernisse bei der Anerkennung bürgerwissenschaftlich erzielter Ergebnisse in der Medizin-Community nicht unerwähnt bleiben. Abschließend ziehen wir ein Fazit, welches –Vorsicht Spoiler – positiv ausfällt und uns zuversichtlich stimmt, weiter auf die Bürgerwissenschaften als sinnvolle Ergänzung alteingesessener Forschungsmethoden zu setzen.
     
  • Patient Science: ein neuer Citizen Science-Ansatz für die Gesundheitsforschung
    Referent*in: Johanna Gardecki, Universitätsklinikum Frankfurt
    Co-Autor*in: Nils Heyen, Fraunhofer ISI


    Patient Science ist ein neuer Citizen Science-Ansatz für die Gesundheits- und medizinische Forschung, der ein höchstes Maß an Partizipation für Patient*innen in allen Phasen des Forschungsprozesses ermöglicht. Er wurde im Zuge eines Pilotprojekts entwickelt, in dem ein Ko-Forscher-Team bestehend aus Patient*innen mit der chronischen Erkrankung Mukoviszidose und Angehörigen (Patient Scientists/Patientenforscher) sowie professionellen Forschern aus Sozialwissenschaften, Psychologie und Medizin bzw. ärztlichen und psychosozialen Behandlern gemeinsam eine wissenschaftliche Studie zu Alltagsproblemen im Leben mit Mukoviszidose durchführte. Dabei waren die Patient Scientists in allen Forschungsphasen, von der Bestimmung des konkreten Forschungsthemas und -designs über die Datenerhebung, -auswertung und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Ergebnisverwertung und -veröffentlichung, aktiv eingebunden. Da im Patient Science-Ansatz das Wissen der Patient*innen und Angehörigen als Expertise anerkannt und systematisch genutzt wird, weisen die generierten Ergebnisse eine große Nähe zur Lebenswirklichkeit der Betroffenen und eine hohe Praxisrelevanz auf. Somit haben sie das Potenzial, entscheidend zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beizutragen. In dem Vortrag soll das Pilotprojekt kurz vorgestellt, die Potentiale und Grenzen des Patient Science-Ansatzes sowie die gewonnen Erkenntnisse zum Gelingen eines Forschungsprojekts auf Augenhöhe in der Medizin aufgezeigt werden.
     
  • Gemeinsam Stadtgeschichten teilen - das digitale Aschaffenburger  "Stadtlabor"
    Referent*in: Helena Knuf, Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg

    Im Vortrag werden die kommunikativen Ansätze des Stadtlabors „Aschaffenburg 2.0 – unsere Geschichte, unsere Zukunft“  vorgestellt. Dies ist ein digitales Partizipationsprojekt zur Aschaffenburger Stadtgeschichte (aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de). Ziel ist die interaktive Einbindung aller Aschaffenburger*innen in die gemeinsame Erforschung ihrer Stadtgeschichte. Auf der Plattform können selbst verfasste Beiträge zu allen Feldern der Stadtgeschichte geschrieben, Erinnerungen und Wissen geteilt und diskutiert werden. Kommunikation war und ist in allen Projektphasen äußerst wichtig. Begonnen mit der Gestaltung der Plattform und dem Austausch von Ideen in Zusammenarbeit mit einer Agentur, über die Bewerbung des Projekts in Stadtverwaltung, Schulen und der breiten Öffentlichkeit und schließlich im persönlichen Kontakt mit den Autor*innen. Die Dissemination des Stadtlabors verläuft über diverse digital-analoge Kommunikationswege: Vorträge, Interviews, Projektvorstellungen und Sprechstunden, Zeitungsberichte, Online-Kommunikation über das Stadtlabor „Aschaffenburg 2.0“, die Stadtarchivhomepage und die dazugehörigen Social Media Kanäle, ebenso aber auch über Filme. Darüber hinaus ist das Projekt in Form von innovativen Bodenaufklebern, die über einen QR-Code direkt auf Beiträge verweisen, im Stadtbild präsent. Ein eigener Digitalladen wird ab dem Jahr 2021 als “reale” digital-analoge Schnittstelle dem Austausch und der Vermittlung mit den Bürger*innen dienen.
     

BLOCK B (17:45-18:30)

  • Gemeinsam Gesellschaft erforschen – Citizen Science zum Thema „gesellschaftlicher Zusammenhalt“
    Referent*in: Julia Gantenberg, Zentrum für Arbeit und Politik (zap) der Universität Bremen
    Co-Autor*in: Sarah Göhmann, Zentrum für Arbeit und Politik (zap) der Universität Bremen


    Präsentiert wird das sozialwissenschaftliche Citizen-Science-Projekt „GINGER – Gemeinsam Gesellschaft erforschen“, das von 2021-2024 vom BMBF gefördert wird. Im Projekt bearbeiten Bürger*innen und Wissenschaftler*innen unter Einbeziehung digitaler Tools Fragen zum aktuellen Thema „gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Die Bürger*innen werden befähigt, a) selbst Daten zu erheben (Interviews, Storytelling), b) diese im Dialog mit Wissenschaftler*innen zu interpretieren und auszuwerten sowie c) multimedial wissenschaftsintern (z. B. Co-Autorenschaft, Tagungen) wie -extern (u. a. Blog, Podcast, Artikel) zu kommunizieren. „Public Research Sprints“ ergänzen die kontinuierliche Forschungstätigkeit. Hierbei wird ein Thema in Gruppen innerhalb eines mehrtägigen Forschungsevents aus verschiedenen Blickwinkeln intensiv erforscht, digital aufbereitet und (öffentlich) präsentiert. In Kollaboration mit Wissenschaftler*innen tragen Bürger*innen dazu bei, die wissenschaftliche Erfassung des Phänomens „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ mit ihrer Perspektive als Gesellschaftsakteur*innen zu erweitern. Die TN werden zur aktiven Teilnahme an der Gestaltung der Gesellschaft befähigt sowie ihre Wissenschaftsmündigkeit gefördert. GINGER wird vom Zentrum für Arbeit und Politik (zap) der Universität Bremen verantwortet und in Kooperation mit lokalen sozialen bzw. Bildungseinrichtungen durchgeführt. Wissenschaftliche Anbindung besteht an das bundesweite Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ).
     
  • Der BerlinAir NO2-Atlas – Ein Citizen Science-Projekt zur Stickstoffdioxid-Belastung in Berlin
    Referent*in: Andreas Held, Technische Universität Berlin
    Co-Autor*innen: NO2-Atlas-Team (Annelie Höhne, Jannis Drossart, Thu-Trang Huynh, Melissa Kulicke, Rieke Schulte, Maren Telgmann)


    Stickstoffdioxid (NO2) ist ein Luftschadstoff, der die menschliche Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen kann. Insbesondere in Ballungsgebieten wie Berlin existieren zahlreiche lokale NO2-Emissionsquellen, wie z.B. Straßenverkehr, die zu einer komplexen räumlichen Verteilung der NO2-Konzentration führen. Um die NO2-Belastung in Berlin zu untersuchen, haben Berliner*innen im Rahmen dieses Projektes unter anderem in Schulworkshops und Science Festivals in den letzten eineinhalb Jahren mit Passivsammlern mehr als 300 Luftproben in ihrer Umgebung gesammelt. Die passive Probenahme von NO2 erfolgte dabei jeweils für einen Zeitraum von zwei Wochen mit modifizierten Sammelröhrchen. Anschließend wurde die NO2-Konzentration als Nitrit spektralphotometrisch bestimmt. Daraus ist ein räumlich hochauflösender NO2-Datensatz entstanden, der wissenschaftlich ausgewertet wird. Erste Ergebnisse zeigen, dass die gemessenen NO2-Konzentrationen im gesamten Messzeitraum im Bereich der städtischen Hintergrundkonzentration liegen. Auch Unterschiede bezüglich der kleinräumigen Ausbreitung etwa in Straßennähe oder in verschiedenen Stockwerken von Wohngebäuden lassen sich anhand des in dieser Form einzigartigen Datensatzes untersuchen. Gleichzeitig stellt die Sensibilisierung für das Thema Luftreinhaltung ein wesentliches Ziel des Projektes dar.
     
  • Citizen Science zur Erforschung von Haien und Rochen in Kolumbien
    Referent*in: Nathalia Carolina Mora Arciniegas, Fundación Squalus, Kolumbien, MSc ISATEC - Universität Bremen, Biologie - Universidad del Valle, Tauchlehrerin PADI

    Ein bekanntes globales Problem ist der Verlust der biologischen Vielfalt. Hierfür ist die Unterstützung durch Initiativen und Projekte dringend erforderlich, die biologische Schutzbemühungen und Mitglieder der Gesellschaft miteinander verbinden. In Kolumbien hat das Nationale Programm zur Beobachtung von Haien und Rochen (PNAT, Programa Nacional de Avistamiento de Tiburones y Rayas de Colombia, Spanisch) in den letzten 17 Jahren über 3500 Sichtungsberichte von Tauchern gesammelt, um zuverlässige und effiziente, kostengünstige Basisinformationen zu liefern. Dieses Projekt hat dazu beigetragen, Informationen über die Häufigkeit, Verteilung und Saisonalität von Plattenkiemer an der kolumbianischen Pazifik- und Karibikküste zu erhalten. Es trug auch zur Überwachung der Weißspitzen-Riffhaipopulation im Gorgona Insel Nationaler Naturpark durch Photo-Identifikation bei. Darüber hinaus wurde das Programm im Jahr 2018 evaluiert, was zeigt, dass es zwar Schwächen hat, wie z. B. fehlende IT-Infrastruktur, interdisziplinäre Ansätze und Kooperationen, aber auch Stärken. Dazu gehören die klaren und authentischen Ziele, der Beitrag von Informationen zu Managementplänen, die Generierung neuer Forschungsfelder und die Hilfe, die es den Teilnehmern zu einem besseren Verständnis von Haien und Rochen bringt.

 

II. Workshop: Citizen (Social) Entrepreneurship, oder: Wie kommen die Bürger:innen in den wirtschaftlichen Diskurs
Bianca Baumann, TH Wildau, FG Innovations- und Regionalforschung; Katherin Wagenknecht, TH Wildau, FG Innovations- und Regionalforschung/ Innovation Hub 13

Seit den 1960er Jahren formulieren sich Forderungen nach einer aktiveren Rolle der Bürger:innen, welches sich in unterschiedlichen Bereichen in verschiedenen Paradigmen dokumentiert. Citizen Science (CS) etabliert sich als Methode, bei der es darum geht, heterogene Wissensbestände in einen Dialog zu bringen. Im Workshop möchten wir diskutieren, wie sich die Idee von CS im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Prozessen denken lässt. Oder anders gefragt:  Wie kann gesellschaftliche Teilhabe an ökonomischen Entwicklungen stattfinden? Inwiefern können Bürger:innen teilhaben und gestaltend in die Prozesse ökonomischen Wirkens einbezogen werden? Als Endverbraucher:innen sind Bürger:innen mittelbar von den Entwicklungen angesprochen. Dieses Verhältnis drückt sich jedoch nicht in entsprechenden Möglichkeiten zur Teilhabe aus. Mit unterschiedlichen Akteur:innen der CS-Community wollen wir erörtern, wie CS und Entrepreneurship Education zusammengedacht werden kann, um „Citizen Entrepreneurs“ auszubilden. Zunächst stellen wir unseren Ansatz ders „Regionalen Citizen Entrepreneurship Education“ vor und eruieren im Plenum, wie sich gesellschaftliche Teilhabe (1) an ökonomischen Entwicklungen und (2) an Prozessen ökonomischen Wirkens mit den Ideen des CS denken lässt. Mit dem Ansatz des „Speculative Design Thinking“ werden in Kleingruppen Szenarien entwickelt und diese zum Schluss kritisch auf mögliche „risks and benefits“, die sich in der Öffnung zum ökonomischen Feld ergeben, diskutiert.

III. Workshop: Rückblick und Ausblick: Merkmalsanalyse buergerschaffenwissen.de - und wohin steuern wir?
Nicola Moczek, Museum für Naturkunde Berlin; Silke Voigt-Heucke, Museum für Naturkunde Berlin; Wiebke Brink, Wissenschaft im Dialog; Florence Mühlenbein, Wissenschaft im Dialog

Im Workshop werden ausgewählte Ergebnisse aus der Umfrage 2020 präsentiert und zunächst mit Erfahrungen der Teilnehmenden abgeglichen. Auf dieser Grundlage werden dann Anregungen und Erwartungen an die zukünftige Entwicklung der Plattform buergerschaffenwissen.de abgeleitet und diskutiert. Thematisch gliedert sich der Workshop in die fünf Rubriken Projektorganisation, Wissenschaft, Kommunikation, Beteiligte und Evaluation.
Ein erster Einblick: Über die Hälfte der CS-Projekte werden durch Universitäten, Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen gestartet. Wie kann es gelingen, Vereine, Initiativen, Schulen und Bildungseinrichtungen, Medien oder Unternehmen bei der Konzeption und Durchführung von CS-Projekten zu stärken? Als wichtigstes übergeordnetes Ziel nannten rund die Hälfte der Projekte „wissenschaftliche Forschungsfragen beantworten“, danach mit deutlichem Abstand „Wissenschaft für die Gesellschaft öffnen und Verständnis für Wissenschaft fördern“. Wie schaffen die Projekte den Spagat zwischen Forschung und Wissenschaftskommunikation? Die Kommunikation der im Projekt erarbeiteten wissenschaftlichen Ergebnisse wird über eine große Vielfalt nicht-wissenschaftlicher und wissenschaftlicher Kanäle verbreitet. Welche Kanäle haben sich für welchen Zweck als besonders erfolgreich erwiesen? Alle Projekte der Plattform forschen mit insgesamt rund 100.000 Freiwilligen an vielen unterschiedlichen Fragen. Wie gelingt die Rekrutierung, die Ausbildung, die Motivation in allen Projektphasen? Rund ein Drittel der Projekte evaluiert die Wirkung auf die Teilnehmenden, beispielsweise in Bezug auf das Wissenschaftsverständnis. Welche Methoden kommen zum Einsatz, wie können die Projekte untereinander von den Ergebnissen lernen?

IV. World Café: Warum überhaupt Social Citizen Science und Public Humanities?
Sarah-Lea Effert, Anja Gampe, Ellen Hillal, Marie Kaiser, Markus Kubesch, Jess Palka, Charlotte Püttmann; Gerhard Mercator Graduiertenkolleg Weltoffenheit, Toleranz und Gemeinsinn

Citizen-Science-Forschungsansätze gehen häufig von den Naturwissenschaften aus. Bei der Entwicklung von Social-Citizen-Science und Public-Humanities-Projekten stellt sich deshalb oft die Frage, wie sich etablierte Konzepte übertragen lassen. Könnte die Antwort auf diese Frage nach dem wie am Ende vielleicht lauten, warum? In unserem interaktiven Workshop wollen wir zunächst einen Schritt hinter Fragen der Vorgehensweise zurücktreten und uns unserer Motivation für die Durchführung von Citizen-Science-Projekten in den Sozial- und Geisteswissenschaften bewusst werden. Unser Ziel ist es, ganz bewusst die Grenzen von Social Citizen Science und Public Humanities zu suchen – um innerhalb dieser Grenzen umso gefestigter agieren zu können. Mit der Methodik eines digitalen World Café wollen wir dazu gemeinsam mit den Teilnehmenden unseres interaktiven Formats die Themenblöcke Agency, Offenheit und Praxis ausloten. Wir wollen einen offenen Austausch unter den Teilnehmenden unseres Workshops erreichen und auch unsere eigenen Erfahrungen aus einem interdisziplinären Graduiertenkolleg, das sich zumindest einer Erkundung des Ansatzes der Citizen Science verpflichtet hat, einbringen. Wir versprechen uns für uns und die Teilnehmenden eine kritische Reflexion, die insbesondere wissenschaftsethische Fragen in den Blick rückt, diese jedoch in der abschließenden Runde auch in praktische
Forschungsansätze überführt.

18:30  18:45 Uhr: Reflektion und Abschluss des ersten Konferenztages 

FREITAG, 7. MAI 2021

08:30-09:00 Uhr: Gemeinsam in den Tag starten

Wir laden alle Teilnehmenden ein, entweder bei einer gemütlichen Tasse Kaffee oder einer kleinen Bewegungseinheit gemeinsam den zweiten Konferenztag zu beginnen.

09:00 – 09:45 Uhr: Begrüßung & Expert*innenrunde

  • Expert*innenrunde zum Motto "Vertrauen, Wirkung, Wandel: Citizen Science als Antrieb von Veränderung?"
    • Dr. Friederike Hendriks, WWU Münster
    • Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer, TU Berlin
    • Prof. Johannes Vogel, MfN Berlin
    • Moderation: Markus Weißkopf, WiD 

09:45 – 10:00: virtuelle Kaffepause

10:00 – 11:30: Parallelprogramm Freitagmorgen

I. Vortragssession: Science of Citizen Science, Partizipation und Kooperation 
Moderation: Martin Munke, SLUB Dresden

BLOCK A (10:00-10:45)

  • Die wesentlichen Stolpersteine in transdisziplinären Kooperationen kennen und vermeiden
    Referent*in: Kerstin Kurzhals, Nachwuchsprofessorin Science-to-Society, Innovation, Engagement & Cocreation, Science-to-Business Marketing Research Centre der FH Münster
    Co-Autor*in: Katrin Uude, Academic Researcher & PhD Candidate, Science-to-Business Marketing Research Centre der FH Münster


    Citizen Science stellt einen Forschungsansatz dar, der geprägt ist von Transdisziplinarität und Partizipation. Ein Schwerpunkt liegt auf der weitreichenden Beteiligung von Bürger*innen im Sinn von Co-creation. Eine Vielzahl transdisziplinärer co-creation Projekte scheitert jedoch, was darauf zurückgeführt werden kann, dass das Wissen über hemmende Faktoren noch zu unspezifisch ist. Daher soll diese Arbeit einen Beitrag zur Identifizierung und Spezifizierung möglicher Transferhemmnisse leisten. Durch eine systematische Literaturrecherche wurde zunächst theoretisches Wissen zu Transferhemmnissen zusammengetragen. Dieses wurden durch praktische Erkenntnisse, die mit Methoden des participatory action research in einem transdisziplinären co-creation Projekt mit 13 Teilprojekten gewonnen wurden, angereichert. Wie in der Citizen Science Strategie 2020 empfohlen, wird hier auf praktische Erfahrungen von erfolgreichen Projekten zurückgegriffen und Citizen Science im wissenschaftlichen Prozess berücksichtigt, um Wissen zu generieren. Auf diese Weise konnten zwölf Transferhemmnisse identifiziert und spezifiziert werden. Durch den Rückbezug der theoretischen Erkenntnisse auf die Praxis und die abschließende erneute Abstraktion wird eine ganzheitliche Betrachtungsweise sichergestellt. Durch dieses Vorgehen wird das Bewusstsein und die Akzeptanz von Citizen Science und dessen Mehrwert gefördert.

 

  • Erwartungen an Veränderungen des Wissenschaftsverständnisses durch Projektteilnahme
    Referent*in: Nicola Moczek, PSY:PLAN Institut für Architektur- und Umweltpsychologie

    In CS-Projekten forschen akademische und ehrenamtliche Wissenschaftler*innen (Citizen Scientists, CSs). Die Zusammenarbeit wurde bisher kaum erforscht. Die formative Evaluation des sechsjährigen Forschungs- und Schutzprojektes "Spurensuche Gartenschläfer" sieht einen "quasi-experimentellen Zweigruppen-Pretest-Posttest ohne Kontrollgruppe" vor. Unmittelbar vor Projektbeginn wurden über eine Online-Umfrage verschiedene Aspekte der Zusammenarbeit aus Perspektive der Wissenschaftler*innen (Studie 1; N = 25) untersucht und die Interpretation der Ergebnisse durch qualitative Interviews ergänzt (Studie 2; N = 4). Die CSs wurden kurz nach Beginn ihres Engagements befragt (Studie 3; N = 124). Zum Einsatz kamen unter anderem gepaarte Items, jeweils für die Eigen- und die Fremdperspektive. U.a. erwarteten die Wissenschaftler*innen, dass sich das Wissenschaftsverständnis (Akzeptanz wissenschaftlicher Forschung, Akzeptanz und Verständnis für wissenschaftliche Arbeit und deren Prozesse und Abläufe) der CSs im Projektverlauf wesentlich verändern/verbessern wird. Bei sich selbst erwarteten sie keine Veränderung. Die CSs wiederum rechneten nicht damit, dass sich ihr Wissenschaftsverständnis verändern wird. Aus dem Vergleich dieser und weiterer Einschätzungen konnten Herausforderungen der weiteren Zusammenarbeit identifiziert und Empfehlungen zum Umgang mit diesen ausgesprochen werden.

 

  • Zur Rolle und Bedeutung von Kompetenzen in und für die Praxis von Citizen Science
    Referent*in: Anett Richter, Thünen-Institut
    Co-Autor*innen: Bea Bardusch,Manina Herden, Laura Ferschinger


    Die Grundlage in Citizen Science Vorhaben bildet eine intensive wissenschaftlich-basierte Zusammenarbeit zwischen den Akteuren aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und mitunter aus Unternehmen. Bei einer Vielzahl dieser Kooperationen spielen die Ver- und Anwendung digitaler Medien und Technologien eine große Rolle (Richter 2019). Es ist zu erwarten, dass verschiedene Kompetenzen bzw. Befähigungen nötig sind, um gemeinsam zu forschen, zu lernen, zu teilen und zu partizipieren. Dabei ist das Mit- und Einbringen von Kompetenzen durch Mitforschende und Forschende erforderlich. Wir haben erstmalig eine fachliche Auseinandersetzung zur Rolle und Bedeutung von Kompetenzen für eine Umsetzung der zahlreichen Citizen Science Aktivitäten durchgeführt und stellen hier unsere wissenschaftliche Publikation vor. Wir stellen einen konzeptionellen Rahmen für Kompetenzen vor und haben anhand von Projektanalysen und Expertenbefragungen Schlüsselkompetenzen und Ausprägungen von Kompetenzen in und für Citizen Science bei den Mitforschenden und Forschenden in der Praxis von Citizen Science beschrieben. Die Ergebnisse sind sowohl für die Praxis von Citizen Science , als auch für den Themenbereich Science about Citizen Science interessant.

 

BLOCK B (10:45-11:30)

  • Understanding how personalities and motivations affect participation in citizen science​
    Referent*in: Manh Khoi Ngo, DLR - Institut für Datenwissenschaften

    As citizen science projects heavily rely on their members’ voluntary participation in contributing ideas, co-creating projects and especially collecting data, it is crucial to understand motivations and factors that affect an individual’s decision to take part. This study seeks to understand how people’s personality traits affect their appraisal of citizen science projects and their likelihood of participating in them. We selected five typical citizen science projects that represent a broad range of topics, levels of difficulty and execution modes as a basis for our investigation. While other studies only focus on the motivation of participants who already took part in citizen science activities, this study also targets participants without prior experience, who might volunteer in citizen science projects in the future. By using a structured survey that includes questions on personality traits, functional motives and subjective evaluation of the five sample projects, we seek to report respondents’ most important intrinsic motivations for citizen science. Apart from these intrinsic motivations, we also explore the use of monetary incentives to encourage participation in citizen science tasks, which might be used in the future to recruit participants and improve data quality. The study participants’ expectations regarding monetary rewards can be used to improve existing algorithms and design new methods that fairly and efficiently distribute rewards.

 

  • Wirkungsforschung in Citizen Science - Aktivitäten von Bürger schaffen Wissen
    Referent*in: Julia Lorke , IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik / Wissenschaft im Dialog
    Co-Autor*in: Vincent Schmid-Loertzer, Wissenschaft im Dialog


    Neben den fachwissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die in den Citizen-Science-Projekten entstehen, werden oft auch Lernprozesse, Interessens-, Einstellungs- und Verhaltensänderungen bei Teilnehmenden angestrebt (siehe z.B. Phillips et al., 2018; Jordan et al., 2012; Ballard et al., 2017) und durch entsprechende Begleitforschung untersucht. Erkenntnisse aus der Wirkungsforschung wurden bislang auf unserer Plattform Bürger schaffen Wissen jedoch noch nicht ausgiebig thematisiert und standen daher in den letzten Monaten im Fokus eines unserer Projektbausteine. Auf dem Forum möchten wir nun gerne einen Überblick geben über die Ergebnisse unserer internationalen Literaturrecherche zu Erkenntnissen über die individuellen Outcomes für Teilnehmende an Citizen-Science-Projekten. Zudem stellen wir Ergebnisse einer Befragung zur Evaluationspraxis der auf der Plattform gelisteten Projekte sowie unsere aktuellen Maßnahmen zum Capacity Building im Bereich der Wirkungsforschung vor (z.B. Themenblogs, Trainingsworkshops). Gerne möchten wir mit der Community weitere Wünsche und Vorschläge zu Maßnahmen in diesem Bereich diskutieren. Literatur: Ballard et al. (2017). Biological Conservation, 208, 65–75 Jordan et al. (2012). Frontiers in Ecology and the Environment, 10(6): 307–309, Phillips et al. (2018). Citizen Science: Theory and Practice, 3(2), 3.
     
  • Die Übersetzung von Wissen in Citizen Science zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele
    Referent*in: Barbara Heinisch, Zentrum für Translationswissenschaft, Universität Wien

    Citizen Science gewinnt in den Geisteswissenschaften zunehmend an Bedeutung. Während die Geisteswissenschaften sich in erster Linie an Wissenschafter*innen richten, haben die Public Humanities ihre Zielgruppen außerhalb der Wissenschaft. Dies trifft auch auf Citizen Science-Projekte zu. Die Public Humanities bezwecken unter anderem Brücken zwischen verschiedenen Arten geisteswissenschaftlicher Tätigkeiten zu schlagen, die nicht nur an Universitäten verrichtet werden, sondern auch im privaten Kreis oder Gemeinschaften, wie beispielsweise Public History. Die Parallelen zwischen Citizen Science in den Geisteswissenschaften und den Public Humanities stehen daher im Zentrum der vorliegenden Untersuchung, insbesondere der Einfluss der Public Humanities als möglicher Vorläufer für geisteswissenschaftliche Citizen Science-Ansätze. Ähnlich zu Citizen Science werden in den Public Humanities teils Forschungsprojekte zusammen mit Gemeinschaften verwirklicht. Die Public Humanities sind daher untrennbar mit Wissenschaftskommunikation und der Einbindung von Angehörigen der Öffentlichkeit verbunden. Außerdem gehen die Wissenschafter*innen auf die Menschen zu, um sie vor Ort zu erreichen. Daher lassen sich Parallelen zwischen den Public Humanities und geisteswissenschaftlichen Citizen Science-Projekten ziehen, die ebenfalls auf die Einbindung der Öffentlichkeit abzielen und verschiedenste Formen der Kommunikation erfordern.

 

II. Vortragssession: Datenqualität, Ethik und Wissensproduktion 
Moderation: Friederike Klan, Institut für Datenwissenschaften, DLR Jena

BLOCK A (10:00-10:45)

    • BeeObserver - The Data Science Approach
      Referent*in: Alexander Goncharskiy, CorrelAid
      Co-Autor*innen: Alexandros Melemenidis, CorrelAid; Diren Senger, Universität Bremen

      Im Vortrag geht es um die erfolgreiche Implementierung der statistischen und Macheine learning Methoden in einen CitizenScience Projekt BeeObserver, sowie um die Zusammenarbeit von CorrelAid Data Scientists aus unterschiedlichen Industrien (EZB, Commerzbank, etc.) mit den Researchers aus der Universität Bremen und Imkern.
       
    • Unterschiede zwischen Citizen Science und Expertenaufnahmen am Beispiel Forschungsfall Nachtigall
      Referent*in: Silke Voigt-Heucke, Museum für Naturkunde Berlin
      Co-Autor*innen: Kim G. Mortega, Ulrike Sturm, Ulrich Brockmeyer, Omid Khorramshahi, Denise Jäckel, MfN Berlin


      Citizen Science hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Trotz der wachsenden Popularität gibt es in der Wissenschaftswelt immer noch eine verbreitete Skepsis hinsichtlich der Gültigkeit und Qualität der Daten aus Citizen Science-Projekten. Und obwohl es neue Möglichkeiten eröffnen könnte, ist Citizen Science ein wenig genutzter Ansatz in der Bioakustik. Zum besseren Verständnis der Vorteile und Grenzen, verglichen wir in dieser Fallstudie die Quantität und Qualität von Nachtigall-Gesangsaufnahmen, die entweder (1) mit einer Smartphone-App von Bürgerforschenden oder (2) mithilfe professioneller Ausrüstung von Wissenschaftler:innen gemacht wurden. Unsere Ergebnisse zeigten, dass die Bürgerforschenden viele Aufnahmen in ausreichender Qualität für nachfolgende, bioakustische Forschungsfragen sammelten. Unterschiede zwischen der Citizen Science- und Experten-Gruppe wurden wahrscheinlich größtenteils durch die verschiedene technische Ausstattung verursacht. Insbesondere bei der Untersuchung spektraler Akustikparameter könnte die Verwendung von standardisierten, hochwertigen Aufnahmegeräten die Vergleichbarkeit und Qualität der Daten in Citizen Science-Projekten mit Gesangsaufnahmen verbessern. Basierend auf unseren Ergebnissen schlussfolgern wir, dass Citizen Science-Aufnahmen großes Potenzial bieten, die bioakustische Forschung mit umfangreichen Datensätzen zu bereichern.
       
    • Können Citizen-Science-Daten dazu beitragen, die Verbreitung der Nachtigall in Berlin zu verstehen?
      Referent*in: Lena Fiechter, TU Berlin
      Co-Autor*innen: 
      Stephanie Kramer-Schadt, Leibniz-IZW Berlin; Aimara Planillo, Leibniz-IZW Berlin; Silke Voigt-Heucke, Museum für Naturkunde Berlin

      Die Stadtnatur wird immer wichtiger für die Biodiversität in Deutschland. Citizen Science-Projekte könnten eine Möglichkeit sein, die Stadtnatur zu schützen und die Bevölkerung aktiv in diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe einzubinden. Das Ziel dieser Studie war es, den Wert von nicht-standardisierten Citizen Science-Daten für eine Einbindung in ein nationales Biodiversitätsmonitoring besser zu verstehen. Als Fallstudie nutzen wir das Berliner Projekt Forschungsfall Nachtigall, innerhalb dessen Beobachtungen mit GPS-Referenzen über eine Handy-App gesammelt wurden. Mit wie vielen Beobachtungen haben einzelne Bürgerforschende beigetragen und welchen räumlichen Bereich haben sie abgedeckt? Wie sehen basierend auf den Citizen Science-Daten Modelle zur Nachtigallverbreitung aus? Es zeigte sich, dass je mehr Aufnahmen mit dem Projekt geteilt wurden, desto besser war die räumliche Abdeckung der gesamten Stadt. Unsere Modelle wiesen darauf hin, dass es in der Berliner Innenstadt viele geeignete Lebensräume für Nachtigallen gibt. Interessanterweise erwies sich nächtliches Licht als ein wichtiger Effekt. Möglicherweise spiegelten unsere Modelle jedoch eher das Verhalten der aufnehmenden Bürger:innen als die tatsächliche Verteilung der Vögel wider. Eine größere Standardisierung in der Datenerhebung und ein paar Anpassungen in der App, könnten dennoch die Einbindung eines ähnlichen Projektes in das Biodiversitätsmonitoring vorstellbar machen.

     

    BLOCK B (10:45-11:30)

    • Vertrauen durch transparente Kommunikation: Eine Fallstudie zu Datenvalidierung in Citizen Science
      Referent*in: Susan Karlebowski, Museum für Naturkunde Berlin
      Co-Autor*in: Ulrike Sturm, Museum für Naturkunde Berlin


      Mit zunehmender Etablierung von Citizen Science nehmen die Ansprüche an die Qualität der erhobenen Daten und die Methoden zur Überprüfung ebenjener zu. Zahlreiche Autoren beschäftigen sich mit der Datenvalidierung in Bezug auf die spezifischen Fragestellungen ihrer Forschungsprojekte. Das Expertenreview ist dabei in den meisten Ansätzen ein zentraler Schritt - ohne dass jedoch das genaue Vorgehen der Expertinnen und Experten näher beleuchtet wird. Unser Ziel ist es anhand einer Fallstudie zur Validierung von opportunistischen Beobachtungsdaten der App “Naturblick” einen methodischen Ansatz der Datenprüfung zu entwickeln, der die transparente Kommunikation sowohl der Vorannahmen in allen Schritten als auch der Stärken und Schwächen der daraus resultierenden Datensätze erlaubt. Dieser Ansatz soll es außerdem ermöglichen, die Datenüberprüfung auch mit Prüfer:innen unterschiedlichster Expertise weitestgehend einheitlich und einfach zu gestalten und gleichzeitig das Vertrauen sowohl der Bürger:innen als auch anderer Wissenschaftler:innen in die, in Citizen Science Projekten erhobenen, Daten, deren Gewinnungsprozess und die Dokumentation zu stärken. In unserem Beitrag geben wir einen praxisorientierten Einblick in den entwickelten, methodischen Ansatz und diskutieren das Potenzial sowie die Herausforderungen der transparenten Datenvalidierung für die Schaffung von Vertrauen in die Wissenschaft.
       
    • Debatten über Ethik & wissenschaftliche Integrität in Citizen Science aus metaethischer Perspektive
      Referent*in: Michael Strähle, Wissenschaftsladen Wien - Science Shop Vienna
      Co-Autor*in: Christine Urban, Wissenschaftsladen Wien - Science Shop Vienna


      In den Diskussionen zu und über Citizen Science lässt sich ein wachsendes Interesse an Fragen der wissenschaftlichen Integrität und der Forschungsethik, vereinzelt auch an normativen Orientierungen wie z.B. Umweltgerechtigkeit, feststellen.* Die vielfältigen Formen und unterschiedlichen Verständnisse von Citizen Science erleichtern es nicht gerade, ethische Normen zu entwickeln, wenn man nicht alle Aktivitäten, Ansätze, Settings und Beteiligte über einen Kamm scheren möchte. Im Vortrag soll aus einer metaethischen Perspektive diskutiert werden (1) in welchem Kontext welche Fragen zu Ethik und wissenschaftlicher Integrität gestellt wurden (und welche nicht), wer sie stellt und aus welcher Perspektive, (2) wie es zu diesen Fragen kam, (3) welche Antworten gegeben bzw. welche Lösungen entwickelt wurden, (4) welche Interessen (nicht) berücksichtigt werden, (5) welche etwaigen Zielkonflikte und Dilemmata ausgemacht wurden und (6) auf welche Richtlinien und Normen Bezug genommen wurde. Der Beitrag präsentiert Ergebnisse des H2020-Projekts CS Track, das zu einer Bestandsaufnahme von Citizen Science beiträgt.
       
    • Bürgerforschung zwischen Wissensproduktion und Bildung für Nachhaltige Entwicklung​
      Referent*in: Constanze Schmidt, Bergische Universität Wuppertal
      Co-Autor*in: Katharina Schleicher, FernUniversität Hagen


      In der Diskussion über Bürgerforschung wird oft implizit davon ausgegangen, dass die Projekte potenziell zu einer Steigerung des Umweltbewusstseins der Bürgerforschenden beitragen. Gleichzeitig wird ihnen eine große Bedeutung bei der Erhebung von Daten über Umweltveränderungen und Artensterben beigemessen. In einem Kurzvortrag werden die Ergebnisse einer Analyse von 127 Bürgerforschungsprojekten vorgestellt. Zunächst wird mit Blick auf die SDGs dargestellt, zu welchen Nachhaltigkeitszielen die Projekte beizutragen versuchen und welche Ziele bisher kaum mit Ansätzen der Bürgerforschung angegangen werden. Anschließend wird gezeigt, dass Schwerpunkte der Bürgerforschungsprojekte auf einerseits der Produktion wissenschaftlichen (Grundlagen-)Wissens oder andererseits auf Bildungsaspekte mit unterschiedlichen Intensitäten der Beteiligung einhergehen. Bei einem Fokus auf hohe Datenqualität und insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung werden meist standardisierte Formen der Beteiligung angeboten, bei anwendungsbezogener Forschung und Projekten mit Bildungsfokus werden die Citizen Scientists dagegen oftmals in allen Phasen der Forschung einbezogen.  Am Ende des Vortrags wird diskutiert, welche SDGs genauer in den Blick der Bürgerforschung gelangen sollten und welche Formen der Bürgerforschung und Intensitäten der Beteiligung dafür geeignet sein könnten, um sowohl Ermächtigung und Bildungsaspekte als auch hohe wissenschaftliche Qualität zu gewährleisten.

     

    III. Workshop: What is citizen science? An interactive discussion based on the ECSA Characteristics
    Susanne Hecker, Museum für Naturkunde Berlin; Katherin Wagenknecht, FH Wildau; Muki Haklay, UCL ; Gerid Hager, IIASA; Barbara Kieslinger, ZSI

    What is citizen science (CS)? This seems to be a simple question – yet, answers do vary considerably depending on whom you ask and where the term is applied. It might be different for a CS project platform that wants to represent the diversity of initiatives than for a research funding organization with a dedicated environmental mission. And even individual values and perceptions play a considerable role that might not always be explicit. The workshop invites participants to reflect on and discuss their understanding of CS along pre-selected case descriptions of initiatives that represent specific overarching factors (e.g. purpose, compensation, data sharing) regarding CS. The vignettes are taken from the ‘ECSA Characteristics of Citizen Science’ (Haklay et al., 2020) which have been developed through an intense discussion process with the community. The workshop consists of (i) an interactive part where moderators will facilitate a discussion between participants (ii) input on the process that led to the characteristics and presentation of the results of the process. The interactive part will be a fishbowl format where 2-4 participants start a moderated discussion around a case study. Other participants can join in if they wish. A scond moderator attends potential questions or discussion in the chat function of the online tool. Main points of the discussions will be captured in an additional visualization tool (e.g. miro), offering the possibility to further consideration.

    IV: Diskussion: Wissensintegration und Vernetzung in der Forschung: Neue Impulse durch Bürgerwissenschaftler*innen
    Theresa Serafin, Botanischer Garten und Museum - Freie Universität Berlin; Agnes Kirchhoff, Botanischer Garten und Museum - Freie Universität Berlin

    Wo stößt der Austausch in bürgerwissenschaftlichen Projekten Fragen an, die im wissenschaftlichen Alltag so keine Rolle spielen? Welche Eigendynamiken entwickeln sich in der Wissensproduktion der Citizen Science und werden diese Daten auch Teil eines wissenschaftlichen Datenkreislaufs? In einer Diskussionsrunde in Form eines Erfahrungs-Fishbowls wollen wir diese Fragen zur Interaktion zwischen Citizen Scientists und Wissenschaftler*innen weiterentwickeln. Der Workshop richtet sich insbesondere an Personen, die sich aktiv in Citizen Science-Projekten beteiligen und soll spezifische Erfahrungen und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe aus verschiedenen Projekten zusammenbringen. Zunächst führen die Referentinnen in das Citizen Science Projekt „Die Herbonauten“ und dessen Einbindung in digitale Forschungsdatennetzwerke ein. Ausgehend von Fallbeispielen aus der Praxis geben die Referentinnen dann einen Einblick in ihre Erfahrung mit der Dynamik der Wissensgenerierung und Vernetzung (bürger-) wissenschaftlicher Biodiversitätsdaten. Anschließend formulieren die Workshopteilnehmer*innen Beobachtungen und Fragen, die in einer offenen Gesprächsrunde, begleitet von einer Umfrage, diskutiert werden. Als Endergebnis der Diskussionen entstehen Impulse zu Good-Practices zur gesellschaftlichen Teilhabe an der Wissenschaft, die parallel zur Diskussion schriftlich festgehalten werden.

    11:30  12:30 Uhr: gemeinsame Mittagspause

    In diesem Jahr hätten wir gerne alle Teilnehmenden in Berlin willkommen geheißen. In der Mittagspause machen wir Halt im Museum für Naturkunde Berlin und laden alle Interessierten zu einer digitalen Führung ein.

    12:30 14:00 Uhr: Parallelprogramm Freitagmittag

    I. Vortragssession: Wissenschaftskommunikation und Vertrauen
    Moderation: Liliann Fischer, Wissenschaft im Dialog

    BLOCK A (12:30-13:15)

    • Verlorene Objekte, wiederentdeckte Natur – Auf dem Weg zur Sammlung des Anthropozäns
      Referent*in: Mira Witte, Museum für Naturkunde Berlin
      Co-Autor*in: Elisabeth Heyne, Museum für Naturkunde Berlin


      Wie lässt sich der menschliche Einfluss auf die Natur, der im Anthropozän planetare Ausmaße angenommen hat, in naturkundliche Sammlungen integrieren? Welche Objekte gehören in eine Sammlung des Anthropozäns? Diese Fragen können nur in transdisziplinärer Zusammenarbeit von Wissenschaft und Gesellschaft beantwortet werden. Die Naturkundemuseen in Berlin und Paris starten mit dem BMBF-geförderten explorativen Projekt „Verlorene Objekte, wiederentdeckte Natur“ die Reflexion zu einer Sammlung, die Natur und Kultur nicht mehr als getrennte Sphären betrachtet und stattdessen hybride Formen des Wissens entwickelt. Mit dem Fokus auf das Phänomen der generationellen Umweltamnesie werden im einem Bottom-up-Prozess Bürger:innen ermutigt, Dokumente zu sammeln, die etwas über vergessene und wiederentdeckte Geschichten biologischer Vielfalt erzählen. Im Zentrum stehen persönliche Erinnerungen und Bedeutungen, die die Teilnehmenden mit den Dokumenten und Objekten verbinden. Die digitalen bzw. digitalisierten Dokumente werden auf einer deutsch-französischen Webplattform versammelt, die im Co-Design mit den Citizen Scientists und interdisziplinären wissenschaftlichen Arbeitsgruppen gestaltet wird. Nach einer offenen Sammlungsphase werden gemeinsam Methoden entwickelt, die Daten zu interpretieren und weitergehende Forschungsfragen abzuleiten. In unserem Beitrag werden wir die Ansätze transdisziplinärer Bürgerforschung in dem Projekt vorstellen und in der Citizen Science Community diskutieren.
       
    • Erfahrungsbericht über die gemeinsame Arbeit von Co-Forschenden und Forschenden im Verbundprojekt
      Referent*in: Sandra Olivia Borgmann, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Anita Römgens, Co-Forschende im Projekt GestDiNa, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
      Co-Autor*innen: Ute Jüngling, Co-Forschende im Projekt GestDiNa; Stefan Wilm, Institut für Allgemeinmedizin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Oliver Herber, Institut für Allgemeinmedizin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Heiner Fangerau, Institut für Geschichte, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Andrea Icks, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Heinreich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Träger: Deutsche Diabetes Forschungsgesellschaft e.V., Düsseldorf, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, München-Neuherberg 


      Durch die aktive Beteiligung von PatientInnen und BürgerInnen als gleichberechtigte Co-Forschende gewinnen Versorgungsforschungsprojekte wichtige Perspektiven und Kompetenzen im Sinne der PatientInnenorientierung. Im laufenden Verbundprojekt GestDiNa (Nachsorge bei Schwangerschaftsdiabetes) war bereits seit Antragstellung eine PatientInnenvertretung Mitglied des Konsortiums, mit Beginn des Projekts sind weitere Co-Forschende beteiligt. Im Projekt arbeiten Co-Forschende und Forschende in Gruppen zusammen. Innerhalb dieser werden beispielweise die Entwicklung von Fragebögen und die Datenauswertung thematisiert und durchgeführt. Die Integration des partizipativen Ansatzes in das GestDiNa-Projekt wird im Beitrag von einer Forschenden vorgestellt. Ergänzend beleuchtet eine Co-Forschende, aus ihrer Perspektive einer beteiligten Bürgerin, den Weg in das Projekt und die gemeinsame Arbeit. Darüber hinaus werden Chancen und Herausforderungen einer digitalen Beteiligung erläutert. Der kollektive Forschungsprozess im Projekt wird durch die Auseinandersetzung mit neuen Perspektiven (Frauen, die die Gesundheitsdienste (potenziell) in Anspruch nehmen und interessierte BürgerInnen) bereichert. Als Folge kann sich die Forschung stärker am Alltag der Patientinnen orientieren, um zum einen neues Wissen zu generieren und zum anderen die Versorgung zu verbessern. Weiterhin sollen die Erfahrungen aus dem Projekt genutzt werden, um den partizipativen Ansatz künftig projektübergreifend auszubauen.
       
    • Wildbienen in der Stadt verstehen: Transdisziplinäre Forschung zwischen Ökologie und Gärtnerei
      Referent*in: Monika Egerer, Technische Universität München
      Co-Autor*in: Ulrike Sturm, Museum für Naturkunde Berlin


      Die Insekten-"Apokalypse" hat die Erhaltung von Insektenbestäubern in den Fokus gerückt, auch in städtischen Gebieten. Wildbienen sind derzeit ein "heißes Thema" der stadtökologischen Forschung und der Umweltaufklärung. In urbanen Gärten tragen Wildbienen mit einer hohen Diversität zu Garteninsektengemeinschaften bei, die viele Ökosystemfunktionen aufrechterhalten, insbesondere die Pflanzenbestäubung. In diesem Vortrag diskutieren wir, wie wir Wildbienen in urbanen Gärten als Modellsystem nutzen, um die Gartenpraxis, den Naturschutz und die Förderung der Umweltkompetenz in Städten zu verbinden. Wir zeigen, wie wir ökologische Feldstudien in Gärten in Kombination mit Bürgerforschung durch Gärtner*in nutzen, um gemeinsam Wissen darüber zu schaffen, wie man das Habitatmanagement in Gärten für Bestäuber optimieren kann. Insbesondere zeigen wir, wie Gärtner*in zu wichtigen Akteuren und Datensammlern in ihren eigenen Gärten werden und den Wissenschaftlern wichtiges ökologisches Wissen zur Verfügung stellen. Transdisziplinäre Forschung wird zu einem Mechanismus für potenzielle Veränderungen im städtischen Habitatmanagement. Abschließend plädieren wir dafür, Bürgerwissenschaft als Plattform für Forschung, Öffentlichkeitsarbeit und die Förderung ökologischer Nachhaltigkeit zu nutzen.

     

    BLOCK B (13:15-14:00)

    • Citizen Science 2.0: Zusammenarbeit von Stadtgesellschaft und Wissenschaft  für die „Zukunftsstadt“
      Referent*in: Kira Fink, Fachhochschule Dortmund

      Der Beitrag fokussiert die „Zukunftsstadt Gelsenkirchen“. An diesem Fallbeispiel soll gezeigt werden, wie auf kommunaler Ebene globalen Herausforderungen durch partnerschaftliche Zusammenarbeit in Reallaboren begegnet werden kann. In transdisziplinären Fachgruppen bearbeiten Akteure der Stadtgesellschaft und wissenschaftliche Partner*innen gemeinsam Fragen zu Bildung und Beteiligung und wollen dabei transformative Prozesse auf der urbanen Mikroebene (experimentell) anstoßen. Was braucht eine transdisziplinäre und transformative Zusammenarbeit zwischen Stadtgesellschaft und Wissenschaft? Welche Rollen können (Stadt-)Verwaltung, Praxisakteure und Wissenschaft ausfüllen und wie kann sich die Kooperation konkret ausgestalten? Dieser Ansatz wird in Gelsenkirchen unter dem Begriff Citizen Science 2.0 zusammengefasst. Die FH Dortmund (Verbundpartner) hat u.a. die Aufgabe, diesen Ansatz zu konkretisieren. Zur Annäherung an ein gemeinsames Verständnis wurde hierzu ein Leitbild partizipativ erarbeitet, das wichtige Eckpunkte absteckt (z.B. gemeinsame Erarbeitung von Forschungsfragen, transformative Rolle der Wissenschaft, Integration von Praxiswissen in Projektkontexten). Erkenntnisse empirischer Forschung ermöglichen die Identifikation von Gelingensbedingungen/Stolpersteinen bezgl. der Kooperation und die Präzisierung von Konzeptbausteinen. Im Beitrag werden die bisherigen Erkenntnisse zur Zusammenarbeit in Fachgruppen vorgestellt.
       
    • Wasserinfrastruktur in der Stadt
      Referent*in: Paul Uwe Thamsen, Technische Universität Berlin

      Vorstellung von Forschungsprojekten über Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Berlin, dabei insbesondere die Beteiligung der Bürger und die Auswirkungen der Ergebnisse auf den öffentlichen Raum. Im Kern werden Ergebnisse aus dem großen Verbund-Projekt KURAS (Konzepte für Urbane Regenwasser- und Abwasser-Systeme) dargestellt, die in der Politik in Berlin verankert wurden und u.a. zur Einrichtung der Berliner Regenwasseragentur geführt hat. Zusätzlich sind in diesem Rahmen zahlreiche weitere Aktivitäten vorhanden, die eine starke Partizipation der Bürger bedingen, da diese den Wasserhaushalt in der Stadt und deren Auswirkungen auf die Stadt bzw. das Stadtklima bis hin zur Biodiversität betreffen. Neue Ansätze ergeben sich aus der Digitalisierung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur, die neue Möglichkeiten zur Verbesserung eröffnen.
       
    • Gemeinsam forschen im Citizen Science Projekt Mind the Fungi und darüber hinaus
      Referent*in: Alessandro Volpato, TopLab e.V.
      Co-Autor*in: Vera Meyer, Technische Universität Berlin

      Die Chancen, die uns die Forschung heutzutage im Bereich der Pilzbiotechnologie bietet, sind atemberaubend. Wir könnten in einer nicht mehr so fernen Zukunft in Häusern wohnen, die mit der Kraft der Pilze gebaut wurden, in denen sich mit Hilfe von Pilzen gezüchtete Möbelstücke befinden. Wir könnten uns in Pilzkleidung hüllen, da Textilien wie auch Leder aus diesen bestehen. Diese neuen pilzbasierten Produkte werden unsere Lebens- und Arbeitswelten entscheidend verändern und könnten sich für einige Branchen als disruptiv erweisen. Deshalb, so unsere feste Überzeugung, müssen diese Entwicklungen durch einen Dialog mit der Gesellschaft begleitet werden. Das Projekt Mind the Fungi („Achtung Pilze“) war daher ein Citizen-Science-Forschungsvorhaben an der TU Berlin von 2018 - 2020, welches sich der Utopie verschrieb, eine Synthese aus nachhaltiger Wirtschaft und einer gerechten Gesellschaft zu ermöglichen und in dem Bürger_innen sich wissenschaftlich als auch künstlerisch einbringen konnten. Das Projekt sollte einerseits einem breiten Publikum die Bedeutung der Pilzbiotechnologie für eine nachhaltige Zukunft näherbringen und andererseits in Berlin ein Forschungsnetzwerk aufbauen, in dem unter anderem mit Citizen Scientists neuartige pilzbasierte Biomaterialien erforscht werden sollten. Wir werfen einen Blick zurück auf die Ziele des Projektes, das (Un)Mögliche, das Erreichte und die Paradigmenwechsel, die wir in zukünftigen Citizen Science Projekten anstreben.

     

    I. Vortragssession: Schule und Bildung
    Moderation: Katrin Knickmeier, IPN Kiel

    BLOCK A (12:30-13:15)

    • Welche Rolle spielt Naturerfahrung in Citizen Science?
      Referent*in: Alexandra Moormann, Museum für Naturkunde Berlin
      Co-Autor*in: Ulrike Sturm, Museum für Naturkunde Berlin


      In diesem Beitrag möchten wir diskutieren, wie Naturerfahrungen durch Citizen Science ermöglicht werden und zeigen anhand von Praxisbeispielen, welche Chancen aber auch Grenzen Citizen Science in Bezug auf Naturerfahrung und Bildung mit sich bringt. Citizen Science hat das Potenzial, zunehmend das Naturschutzbewusstsein in der Gesellschaft zu fördern (Haywood et al., 2016; Deguines et al., 2018). Darüber hinaus kann die Teilnahme an umweltbezogenen und naturbasierten Citzen Science Projekten (z.B. Sammeln von Daten im Feld) helfen einer Entfremdung gegenüber der Natur entgegenzuwirken, da Citizen Scientists durch ihre Forschungstätigkeiten direkte und indirekte Naturerfahrungen machen. Die Naturerfahrung und das Wissen, das sie aus diesen Erfahrungen gewinnen trägt zu einem Gefühl einer sinnvollen Auseinandersetzung mit der Natur bei (Schuttler et al., 2018) und beeinflusst positiv sozialpsychologische Konstrukte wie Interesse, Motivation und (Umwelt)Einstellungen. Anhand von vier aktuellen Citizen Science Projekten im Umweltbereich (1. Forschungsfall Nachtigall, 2. Beobachtungsnetzwerke, 3. Bienen, Bestäubung und Bürgerwissenschaft in Berlins Gärten, 4. Verlorene Objekte, wiederentdeckte Natur – Auf dem Weg zur Sammlung des Anthropozäns) zeigen wir konkrete Situationen auf, wie Citizen Science Projekte es schaffen, Naturerfahrung im Kontext von formaler und non-formaler Bildung (Umweltbildung, Schule oder Freizeit) zu ermöglichen und ein Bewusstsein für die Natur zu stärken.
       
    • Citizen Science @school - ein kollaborativ entwickelter Onlinekurs
      Referent*in: Julia Lorke, IPN - Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

      Ein Ergebnis der Themengruppe zu Bildungskonzepten & Citizen Science (CS) im Rahmen der AG Weißbuch ist, dass das Potential von CS im Schulbereich noch nicht ausgeschöpft ist. Es gilt daher Lehrkräfte mit dem Forschungsansatz CS sowie mit existierenden CS-Projekten vertraut zu machen und beim Einsatz von CS im Unterricht besser zu unterstützen. Um dies umzusetzen, wird in Kollaboration mit Lehrkräften ein Onlinekurs inklusive entsprechender Lehr- und Lernmaterialien entwickelt. So können die konkreten Bedürfnisse von Lehrkräften und die antizipierten Bedürfnisse der Lernenden bereits in der Konzeption berücksichtigt werden. Im Vordergrund stehen folgende Aspekte: (1) Welche Information benötigen Lehrkräfte, um CS in den Unterricht einzubetten? (2) Welche Informationen benötigen Lernende um CS als Forschungsformat und ihren eigenen Beitrag zur Forschung durch Partizipation an CS-Projekten zu verstehen? (3) Wie kann die Einbettung von CS projektunabhängig in den Unterricht konkret umgesetzt und unterstützt werden? (4) Welche Anknüpfungspunkte an Curricula und Bildungsstandards können genutzt werden? Das erarbeitete Konzept wird im Rahmen des Forschungsprojekts CitSci ID von Lehrkräften erprobt und evaluiert. Nach dem ersten Durchlauf werden erstellte Lehr- und Lernmaterialien (z.B. Video des Webinars, Arbeitsblätter, Präsentation) zur breiten Nutzung verfügbar gemacht. Das entwickelte Konzept sowie erste Erfahrungen damit würden wir gerne auf dem Forum Citizen Science vorstellen.
       
    • Energieautarke Tischhochbeete mit Regenwasserspeicherung und solarer, automatischer Bewässerung
      Referent*in: Kai Weinmüller, Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V
      Co-Autor*innen: Magdalena Ulmer, (Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V.),  Gerhard Reisinger (Entwickler)


      In Ulm wurden 2020 im Rahmen der digitalen Zukunftskommune@bw in Kooperation mit der Uni Ulm und dem Ingenieurbüro Reisinger fünf neuartige Hochbeete aufgebaut und erfolgreich demonstriert. Diese autarken Hochbeete sind mit einer automatisch bewässerten Bodenschicht oder einer Ebbe-Flut-Bewässerung mit Töpfen ausgestattet. Die bedarfsgerechte Bewässerungssteuerung mit Bodenfeuchtesensor, Kleincomputer und Datenübermittlung an offene Karten (https://opensensemap.org/) sorgt für einen hohen Ertrag bei reduziertem Pflegeaufwand (gießen). Ein autarkes, kostengünstiges System bestehend aus PV-Modul, Laderegler und Batterie versorgt die Anlage. Der integrierte, groß dimensionierte Regenwasserspeicher ist die Grundlage für die Bewässerung im geschlossen System für eine effektive Wassernutzung. Das Projekt ist geeignet sowohl für anwendungsorientierten Unterricht in Biologie (z.B. Wachstumsversuche wie von uns testweise schon durchgeführt, s. https://www.unw-ulm.de/wp-content/uploads/2020/12/Demonstrationsversuch-Kohlrabi-auf-verschiedenen-Substraten-und-Duengestufen-im-Hochbeet-mit-automatischer-Anstau-Bewaesserung.pdf), Physik (z.B. Klimamessungen) oder Informatik (z.B. Bewässerungssteuerungsprogramm, Datenfunk) als auch für die Schulraumbegrünung, urbanes Gärtnern usw. Komplette Bausätze für den einfachen Aufbau mit SchülerInnen sind geplant.

     

    BLOCK B (13:15-14:00)

    • Citizen Science in der Bodenforschung: Die Expedition Erdreich
      Referent*in: Luise Ohmann, Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung
      Co-Autor*in: Susanne Döhler; Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung


      Citizen-Science-Projekte sind in den Bodenwissenschaften noch selten. Neben der Erhebung von Bodeninformationen bieten sie jedoch den idealen Rahmen, um die Bedeutung und die Vielfalt von Böden zu vermitteln. Unsere Citizen-Science-Aktion „Expedition Erdreich“ zielt darauf ab, möglichst unterschiedliche Zielgruppen für Böden zu begeistern und das Bodenbewusstsein in der Gesellschaft zu steigern. Dafür kombinieren wir den Citizen-Science-Ansatz der Koproduktion mit klassischen Methoden der Umweltbildung. Koproduktion bedeutet, dass Bodendaten von Teilnehmenden mit wissenschaftlicher Unterstützung von ProjektpartnerInnen erhoben werden. Für die individuelle Durchführung erhalten die Teilnehmenden zusätzliche Hintergrundinformationen und Anleitungen. Eine wichtige Zielgruppe stellen dabei auch Schülerinnen und Schüler dar, die durch die Mobilisierungsaktion im Wissenschaftsjahr 2020|21 Bioökonomie mehr über die faszinierende Welt unter unseren Füßen lernen können. Neben der praktischen Auseinandersetzung mit dem Boden durch die Bestimmung verschiedener Bodeneigenschaften, bieten Lehr- und Arbeitsmaterialien die Möglichkeit der fächerübergreifenden Auseinandersetzung mit dem Thema Boden. Der Schutz des Bodens und der schonende Umgang mit ihm zählen zu den zentralen Themen des Handlungsprinzips Nachhaltigkeit und damit zu den übergeordneten Zielen für nachhaltige Entwicklung. Die vorgestellten Schulmaterialien knüpfen als sinnvolle Ergänzung an die Mitmach-Aktion an.

     

    • Phänologie – Pflanzen im Klimawandel
      Referent*in: David Bröderbauer, Botanischer Garten der Universität Wien
      Co-Autor*innen: Barbara Knickmann, Botanischer Garten der Universität Wien; Magdalena Hauer, Universität Wien; Michael Kiehn, Botanischer Garten der Universität Wien


      PhenObs ist ein globales Netzwerk Botanischer Gärten für phänologische Beobachtungen. Das Netzwerk vereint Wissenschaftler, Studenten und Bürgerwissenschaftler in der Frage, welchen Einfluss der Klimawandel auf die Phänologie von krautigen Pflanzenarten hat. Während phänologische Beobachtungen holziger Arten – auch durch Laien – eine lange Tradition haben, gibt es zu krautigen Arten weitaus weniger phänologische Daten. Zur Erhebung dieser Daten werden von den PhenObs-Verantwortlichen am Botanischen Garten der Universität Wien Schulen eingebunden. SchülerInnen im Alter von 10-18 Jahren beobachten dazu in der Umgebung der über Österreich verteilten Schulstandorte die phänologischen Phasen ausgewählter Arten. Die notwendigen Kenntnisse werden in Workshops im Garten vermittelt. Durch die Ausbildung von peers zu ExpertInnen soll das eigenständige Arbeiten der Schulteams ermöglicht werden. Die Datenauswertung erfolgt gemeinsam mit der Projektleitung von PhenObs an der Universität Jena. Neben der Erhebung von Daten zielt die Zusammenarbeit mit den Schulen auch darauf ab, alltagsweltliche Bezüge zum abstrakten Thema Klimawandel herzustellen. Das Beobachten der Pflanzen verdeutlicht den SchülerInnen, dass Klimawandel auch ihre unmittelbare Mitwelt betrifft.
       
    • Citizen Science versus Traditionelle Wissenschaft? Einblick in die Arbeitsphasen der Plastic Pirates
      Referent*in: Tim Kiessling, Kieler Forschungswerkstatt

      Die Arbeitsphasen von Citizen-Science-Projekten weichen erheblich von denen traditioneller wissenschaftlicher Untersuchungen ab. Dazu gehört z.B. die Anwerbung von Teilnehmer*innen, die Entwicklung von ansprechendem Material sowie die Kommunikation mit den Citizen Scientists. In diesem Beitrag geben wir Einblicke in das Citizen-Science-Projekt "Plastic Pirates", welches die Müllverschmutzung von Flüssen mit bisher mehr als 14.000 Kindern und Jugendlichen untersucht hat. Wie sich das Projekt von traditionellen wissenschaftlichen Untersuchungen unterscheidet, wird anhand von drei Beispielen erläutert: (i) Die Entwicklungsphase von pädagogisch-ansprechendem Bildungsmaterial und die Anleitung zur Probennahme waren zeitintensiv und risikoreich, da unklar war, ob eine "kritische Masse" an Jugendlichen teilnehmen würde und die Zusammensetzung der Teilnehmer*innen oft heterogen ist. (ii) Die ausführliche Kommunikationsphase mit Lehrkräften im Nachgang der Probennahme war bedeutend für den Erfolg des Projekts, um Daten, Fotos und Proben zu erhalten und um die Daten zu verifizieren. (iii) Die Phase der Datenverifizierung war essentiell, da diese belegt, dass die Vielzahl der Teilnehmer*innen ein standardisiertes Verfahren befolgt und robuste wissenschaftliche Daten erzeugt haben. Wir stellen dar, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse erlangt werden können, sobald Citizen Scientists Freiheiten gelassen und sie nicht zu sehr an vorgegebene Fragestellungen gebunden werden.

     

    III. Workshop: D-A-C-H AG: Gebündelte Kompetenz im deutschsprachigen Raum (Deutschland-Österreich-Schweiz)

    Susanne Hecker, Bürger schaffen Wissen, ESCA; Katherin Wagenknecht, TH Wildau; Daniel Dörler und Florian Heigl, Österreich forscht, Universität für Bodenkultur Wien; Wilhelm Bauhus oder Monika Koop oder Anne Harnack, Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Tiina Stämpfli, Science et Cité, Schweiz; Susanne Tönsmann, Partizipative Wissenschaftsakademie der Universität Zürich und der ETH Zürich

    Wir laden Interessierte ein, konkrete Projektideen für die D-A-C-H AG kritisch zu reflektieren und gemeinsam weiterzuentwickeln. Der Workshop ist die Fortsetzung eines seit bereits 2018 bestehenden Austausches: Auf dem Forum Citizen Science 2018 wurde eine verstärkte Zusammenarbeit der deutschsprachigen Partner im europäischen Raum beschlossen, um zum einen Wissen und Kompetenzen zu bündeln, zum anderen kurze Wege des informellen Austausches zu etablieren und gemeinsame Themen voran zu bringen. Diese Zusammenarbeit gestaltet sich bereits in diversen gemeinsamen Aktivitäten wie z.B. in der gegenseitigen Beratung der jährlichen Konferenzen, dem Wissensaustausch zu den Plattformen und der gemeinsamen Umfrage zu CS in 2020. Nun, im Jahr 2021, soll diese Kooperation auf eine nächste Ebene gehoben und intensiviert werden. Basierend auf den Ergebnissen des D-A-C-H Workshops “Joint Forces – Zukunft der Zusammenarbeit und gemeinsame (Forschungs)Interessen im D-A-CH Raum” bei der CitSci Helvetia 2021 und den Ergebnissen der länderübergreifenden Umfrage zu CS in 2020 sollen im Workshop konkrete Ideen für die weitere Zusammenarbeit auf strategischer Ebene gepitcht und anschließend von den Teilnehmenden hinsichtlich Zielstellung, Relevanz und Umsetzbarkeit kritisch beleuchtet werden. Im Ideen-Pitch werden den TN vier Projektideen vorgestellt, die anschließend weiterentwickelt werden sollen.

    IV: Conversation Café: Wissenschaftliche Qualität in der Science of Citizen Science
    Referent*innen: Nicola Moczek, Museum für Naturkunde Berlin; Katherin Wagenknecht, Technische Hochschule Wildau; Valerie Knapp, Ruhr-Universität Bochum; Lena Finger, Ruhr-Universität Bochum; Experte: Philipp Niemann, Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation gGmbH; Moderatorin: Vanessa van den Bogaert, Ruhr-Universität Bochum

    Im Mittelpunkt dieser Session steht die wissenschaftlichen Begleitforschung von Citizen-Science-Projekten mit seinem Forschungsprozess sowie seinen verschiedenen Phasen – insbesondere jener der Datenerhebung und der Datenanalyse. Das Forschungsdesign, die Forschungsfragen, die Wahl der Forschungsmethoden, der Ablauf des Forschungsprozesses aber auch die Rolle der (institutionellen und ehrenamtlichen) Forschenden im Verhältnis zum Forschungsgegenstand gründen hierbei auf dem jeweiligen Wissenschaftsverständnis der Fachdisziplin. In der noch jungen Forschung über Citizen Science („Science of Citizen Science“) lassen sich dazu ¬qualitative, quantitative und Mixed-Methods-Zugänge finden. In der Session möchten wir dazu 4 ausgewählte empirische bildungs- und sozialwissenschaftliche Studien vorstellen und diskutieren. Anhand der eingeladenen Vorträge zeigen wir auf, welche Standards wissenschaftlichen Vorgehens auch in der Forschung über Citizen Science relevant sind und wie es gelingt, diese einzuhalten. Neben den Vortragenden konnten wir einen Experten gewinnen, der eine sachgerechte Bewertung der ausgewählten Studien vornimmt und dabei die Gesamtqualität der Forschungsprozesse in der Science of Citizen Science in den Blick nimmt. Abschließend werden in der Conversation-Café-Methode die Vorträge sowie die Expertendiskussion mit Blick auf methodische Relevanz und erkenntnistheoretischen Mehrwert gemeinsam mit den Teilnehmenden der Session reflektiert.

    14:00  15:00 Uhr: Verabschiedung und Ausblick
    Moderation: tba

    • Vorstellung: Leitfaden für rechtliche Fragestellungen in Citizen-Science-Projekten
      Linda Freyberg, Museum für Naturkunde Berlin

    Das Programm für das Forum Citizen Science 2021 wurde von einem Programmbeirat in Zusammenarbeit mit dem Team von Bürger schaffen Wissen auf Grundlage einer Vielzahl von Programmeinreichungen ausgearbeitet.